3. GrenzŸberschreitendes gemeinsames Opferdenken", Stadtfriedhof Všlkermarkt mit
Kranzniederlegung: Dr.Josef Feldner, Jakob Strau§, Janez Jansa, Valentin Blaschitz, Dr.Marjan Sturm
©fritzpress

Sie starben im Glauben an ihre Heimat …

Dr. Marjan Sturm

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Vom norwegischen Schriftsteller und Philosophen Sören Kierkegard stammt folgender Satz: »Das Leben kann nur rückwärts verstanden, muss aber vorwärts gelebt werden«. Wenn wir heute hier stehen um der Opfer der Kämpfe auf beiden Seiten nach dem Ersten Weltkrieg um die Grenzziehung im Lande zu gedenken, dann müssen wir uns auch die Frage stellen, ob wir schon in der Lage sind, das Leben rückwärts wirklich so zu verstehen um es vorwärts friktionslos leben zu können.

Wir können Geschichte nicht rückgängig machen und wir werden wohl mit dieser Polarität der Meinungen leben müssen, weil eben die existenziellen Lebenserfahrungen dieser Generationen so gegensätzlich waren. Aber als Angehörige der nächsten Generation haben wir die Aufgabe einen nächsten Schritt zu setzen und unser Problembewusstsein dahingehend zu schärfen, dass jede Mutter, jede Frau geweint hat, wenn ihr Mann, der Sohn, die Tochter oder ein Angehöriger im Krieg ums Leben gekommen ist, ganz egal auf welcher Seite er gestanden ist. Deswegen müssen wir aller Opfer gedenken, das ist nicht nur eine Frage der Pietät, sondern auch eine Frage eines Lernprozesses. Nie wieder Krieg, nie wieder Gewalt ist die eine Schlußfolgerung. Die andere aber ist die, dass am Beginn der Katastrophen des 20. Jahrhunderts Intoleranz, Rassismus und Nationalismus und totalitäre Ideologien standen, die den menschlichen Verstand vernebelten. Daher sollten wir uns für eine offene, tolerante und demokratische Gesellschaft einsetzen, eine Gesellschaft, die nicht nur »das Leben rückwärts versteht, sondern sie vor allem auch vorwärts lebt«. Dazu gehört eben auch in pietätvolles Umgehen mit allen Opfern, eine sensible Aufarbeitung der Geschichte, vor allem aber auch ein konstruktiver Dialog darüber über alle politischen, weltanschaulichen und ethnischen Grenzen hinweg.

Ich bin sehr froh darüber, dass wir heuer am 95. Jahrestages der Volksabstimmung hier stehen und einen Beitrag dazu leisten, dass das gegenseitge Verständnis, gegenseitige Toleranz gestärkt werden. Sind das doch die Voraussetzungen dafür, dass sich die Geschichte nicht wiederholen muss.

Gedenkworte Josef Feldner

 

Sehr geehrte Ehrengäste, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Jugend

Seit bald einem Jahrhundert finden rund um den 10. Oktober im ganzen Land viele Gedenkveranstaltungen statt.

Nach einem im Laufe der Jahrzehnte fast unverändert gebliebenem Ritual, wird der gefallenen Abwehrkämpfer gedacht und daran erinnert, dass erst mit dem Abwehrkampf die Kärntner Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 erreicht werden konnte und damit die Kärntner Landeseinheit im Verbund mit Österreich erhalten geblieben ist.

Dieses Erinnern wird auch uns im Kärntner Heimatdienst immer wichtig bleiben.

Nur, das genügt nicht. Mit dankbarer Erinnerung an Abwehrkampf und Volksabstimmung allein, können keine Zukunft gestaltet, kein Misstrauen überwunden und keine Aversionen beseitigt werden.

Wir müssen aus der Vergangenheit heraus den Blick in die Zukunft richten. Wir müssen ein gemeinsames Heimatbewusstsein über sprachliche und ideologische Barrieren hinweg schaffen und festigen, frei von Misstrauen und historischen Schuldzuweisungen.

Heimat schließt alle Kärntner ein! Diesen Kernsatz haben wir, geprägt von der nunmehr bereits zehnjährigen erfolgreichen Zusammenarbeit mit den slowenischen Mitgliedern der Kärntner Konsensgruppe in das Vereinsprogramm des Heimatdienstes aufgenommen.

Damit war der Weg auch für uns frei für ein neues Kapitel des Abstimmungsgedenkens, das die Opfer auf beiden Seiten einschließt, die im Glauben an ihre Heimat gestorben sind.

Als „Österreichisch-slowenische Koordinatoren für einen grenzüberschreitenden Dialog“ wollen wir mit dem gemeinsamen Opfergedenken Mut machen aus dem Schatten der Vergangenheit herauszutreten und einen weiteren Impuls zu einer gemeinsamen Aufarbeitung der Geschichte setzen.

Wie groß die Bereitschaft dazu auch in Slowenien ist, beweisen Sie meine Damen und Herren aus unserem Nachbarland! Sie sind gekommen, aus dem Bereich der Politik und der Zivilgesellschaft, um mit uns gemeinsam der Opfer auf beiden Seiten zu gedenken! Mehr noch, Sie haben dem Streben um Überwindung der Vergangenheit ein weiteres Kapitel des Dialogs, des Bemühens um Versöhnung und der Bereitschaft zur gemeinsamen Zukunftsgestaltung hinzugefügt . Seien Sie herzlich willkommen!

Meine Damen und Herren!

Die durch einen grauenhaften Krieg im Nahen Osten bewirkte Flüchtlingskatastrophe mit noch nicht annähernd abschätzbaren Auswirkungen auf unser gesamtes Leben trifft unsere beiden Länder gleichermaßen.

Das muss ein weiterer Anstoß für uns alle sein, noch enger zusammenzurücken und das Trennende unserer gemeinsamen Geschichte endgültig zu überwinden.

Gemeinsames Gedenken ist gelebte Versöhnung.

Gelebte Versöhnung inkludiert auch die Bereitschaft, viel zu lange bestandene Sprachbarrieren zu überwinden, die Förderung der slowenischen Volksgruppe in Kärnten ebenso wie die der kleinen deutschen Minderheit in Slowenien als Bereicherung zu sehen. Damit schaffen wir die Fundamente für den Bau von uns verbindenden Brücken.

Bauen wir auf diesen Fundamenten der Verständigung und der Versöhnung auf, geben wir damit als Teil der Zivilgesellschaft der Politik auf beiden Seiten den Impuls zu noch mehr Gemeinsamkeit und zu noch mehr Zusammenarbeit in allen Bereichen, auf einem Weg auf dem es kein Zurück mehr geben darf.

Wir verneigen uns hier vor den vor fast hundert Jahren begrabenen Gefallenen, vor den 278 Toten auf österreichischer und den 150 auf jugoslawischer Seite.

Wir gedenken der vielen Millionen Toten der beiden Weltkriege auf allen Seiten, der unzähligen Opfer in der Zivilgesellschaft. wir schließen die Millionen aus rassischen und politischen Gründen während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft Ermordeten mit ein und vergessen auch nicht jener, die nach Kriegsende durch das titokommunische Regime zu Tode gekommen sind.

Wir können die heute im nahen Osten und auch anderswo wütende Kriegsfurie nicht stoppen, aber wir haben es selbst in der Hand, in unserer Alpen-Adria-Region mit gegenseitigem Respekt und dem Willen zum Miteinander ein auch künftiges friedliches Zusammenleben zu gestalten.