Hans Haider: KÄRNTNER JÜDINNEN UND JUDEN

Teil 1
GEDEMÜTIGT – VERFOLGT – VERTRIEBEN – ERMORDET
INHALT
Vorwort ……………………………………………………………………………………………………….3
Antisemitismus……………………………………………………………..4
Namen der Opfer…………………………………………………………..6
Deportationsziele und Todesorte………………………………………….25
Die Reichskristallnacht November 1938……………………………………35
Interviews Dokumente Berichte………………………………………… 37
Der Kärtner Odilo Globočnik und die Aktion Reinhard………………… 57
Literaturliste
Diese Arbeit entstand im Jahre 2007 aufgrund eines Auftrages der Grünen Bildungswerkstatt Kärnten. Diese Broschüre soll ein erster Anstoß sein zur Errichtung einer Gedenktafel für die ermordeten und vertriebenen Kärntner Jüdinnen und Juden.
Herausgeber: Grüne Bildungswerkstatt Kärnten
Autor: Hans Haider
Layout: Hans Smoliner
Kontakt: Verein Erinnern-Villach
Website: www.erinnern-villach.at
E-mail: h.g.haider@net4you.at
STATT EINES VORWORTES
FÜR EINE GEDENKTAFEL BEIM JÜDISCHEN FRIEDHOF
IN KLAGENFURT
Bis heute hat es das Land Kärnten versäumt beziehungsweise keinen Wert darauf gelegt, die Namen und Lebensdaten der jüdischen Kinder, Frauen und Männer zu ermitteln, die dem nationalsozialistischem Rassenwahn zum Opfer gefallen sind. Das ist eine beschämende Tatsache. Wichtig wäre aber nicht nur die namentliche Erforschung der Todesopfer und die Umstände ihres Todes, sondern auch die namentliche Erforschung der vertriebenen Jüdinnen und Juden aus Kärnten, um diesen beiden Opfergruppen ein würdiges öffentliches Gedenken zuzugestehen. Die Anbringung einer Gedenktafel im öffentlichen Raum für die von den Nationalsozialisten ermordeten und vertriebenen Kärntner Jüdinnen und Juden, als Zeichen das Eingeständnisses unserer Schuld, erscheint uns als notwendig und überfällig. Dazu würde sich der jüdische Friedhof in Klagenfurt anbieten. Wir erachten das als eine Bringschuld des Landes Kärnten und der Stadt Klagenfurt, eine Bringschuld allerdings, zu der sich alle Kärntnerinnen und Kärntner verpflichtet fühlen sollten. Ein diesbezüglicher Forschungsauftrag seitens des Landes Kärnten und der Stadt Klagenfurt wäre ein bedeutendes und längst überfälliges Zeichen der Solidarisierung mit den Opfern und des Willens zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Die hier veröffentlichte Studie zu diesem Thema kann diese Aufgabe noch nicht erfüllen. Sie ist in vielerlei Hinsicht unvollständig. Das gilt sowohl für die Anzahl der Namen, die angeführt werden, als auch für die Beschreibung der gesellschaftlichen Zustände und Zwänge dieser gnadenlosen Zeit.
Aber dennoch: Diese Broschüre soll ein erster Anstoß für unser Bestreben sein, das Anbringen einer Gedenktafel für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Kärnten zu erreichen.
Hans Haider, Dezember 2007
ANTISEMITISMUS – DER JUD IST IMMER SCHULD
…..und wer heute sagt: man muss die Juden aus dem Land verweisen, dann verschwindet der Antisemitismus, der ist nicht vernünftiger als der Mann im Mittelalter, der glaubte, der Hexenwahn stürbe aus, wenn es keine Hexen mehr gäbe. Nicht die Hexen starben aus, der Wahn starb aus. Nicht die Juden müssen sich ändern, der Antisemit muss sich ändern.
Luise Rinser, Schriftstellerin
Der moderne Antisemitismus, der nicht mit dem täglichen antijüdischen Vorurteil verwechselt werden darf, ist eine Ideologie, eine Denkform, die in Europa im späten 19. Jahrhundert auftrat. Sein Auftreten setzt frühere Formen des Antisemitismus im Mittelalter voraus. Antisemitismus ist über die Jahrhunderte hinweg immer ein Bestandteil der christlich-westlichen Zivilisation gewesen. Allen Formen des Antisemitismus ist eine Vorstellung von jüdischer Macht gemeinsam: im Mittelalter die Macht, Gott zu töten oder die Beulenpest loszulassen und in der Neuzeit, Kapitalismus oder Sozialismus herbeizuführen. Ein allgemein bekanntes Naziplakat bietet ein plastisches Beispiel für diese Wahrnehmung: Es zeigt Deutschland – dargestellt als starken, ehrlichen Arbeiter –, das im Westen durch einen fetten, plutokratischen Kapitalisten bedroht ist und im Osten durch einen brutalen, barbarischen, bolschewistischen Kommissar. Jedoch sind diese beiden feindlichen Kräfte bloße Marionetten. Über den Rand des Globus, die Marionetten fest in der Hand, schaut der Jude. Der moderne Antisemitismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts und des beginnenden 20. Jahrhunderts ist dadurch gekennzeichnet, dass die Juden für die geheime Kraft hinter den beiden Widersachern, dem plutokratischen Kapitalisten und dem bolschewistischen Kommissar, gehalten werden. Von einem Antisemiten wird das „internationale Judentum“ als jene Macht wahrgenommen, die hinter den Kräften steht, die zum Niedergang althergebrachter sozialer Zusammenhänge, Werte und Institutionen führen. Die Juden stellen demnach eine fremde, gefährliche und destruktive Macht dar, die die soziale Gesundheit der Nation untergräbt. Für den modernen Antisemitismus ist nicht nur sein säkularer Inhalt charakteristisch, sondern auch sein systemartiger Charakter. Er beansprucht, die Welt zu erklären. Die Juden stehen für eine ungeheuer machtvolle, unfassbare internationale Verschwörung. Die Juden werden für ökonomische Krisen verantwortlich gemacht und mit gesellschaftlichen Umstrukturierungen und Umbrüchen identifiziert, die mit der raschen Industrialisierung einhergehen: explosive Verstädterung, der Untergang von traditionellen sozialen Klassen und Schichten, das Aufkommen eines großen, sich organisierenden industriellen Proletariats. In diesem Sinne schrieb der Philosoph Jean Paul Sartre in dem Essay „Betrachtungen zur Judenfrage“: „Das Wesen des Antisemitismus gründet sich nicht auf historische Tatsachen, sondern auf den Begriff, den sich die Subjekte der Geschichte selbst vom Juden gemacht haben. Der Hass des Antisemiten ist nicht durch seine persönliche Erfahrung mit den Juden geprägt, sondern durch seine Neigung, die Ursachen seines eigenen persönlichen Scheiterns auf seine abstrakte Wahrnehmung der Juden zu projizieren.“ (zitiert nach Gutman Israel / Jäckel Eberhard / Longerich Peter u. a., Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. Piper Verlag, München, Seite 16.)
So hatten die Nationalsozialisten für alle drängenden Tagesfragen, wie Kriegsschuldfrage, Versailler Friedensvertrag, Untergang der Monarchie in Deutschland und in Österreich, Arbeitslosigkeit, Inflation und so weiter eine Antwort bereit: Die Hauptschuldigen an der allgemeinen Not waren für sie die „jüdisch-marxistischen Novemberverbrecher“; der Weltkrieg war nach der Propaganda der Nazis das Werk „imperialistisch-jüdischer Mächte“; die Niederlage war verursacht worden durch „jüdisch-marxistische Kräfte“; der Versailler Friedensvertrag war das Ergebnis der Arbeit „jüdisch-kapitalistischer Regierungen“. Durch alle Argumente, mit denen die Nationalsozialisten die damaligen Zustände bekämpften, zog sich wie ein roter Faden der Antisemitismus. Im Judentum sahen die Nazis den eigentlichen „Weltfeind“, der an allem Unglück des deutschen Volkes Schuld habe. Kapitalismus und Bolschewismus waren für die Nazis jüdische Machtinstrumente.
Quelle: Moishe Postone, Nationalsozialismus und Antisemitismus, ein theoretischer Versuch, veröffentlicht auf www.krisis.org
Wolfgang Scheffler, Judenverfolgung im Dritten Reich. Verlag Copress 1998, ISBN-10: 3767801345
Benz Wolfgang / Graml Hermann/ Weiß Hermann Enzyklopädie des Nationalsozialismus, München 1997, Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 3-423-33007-4
Gutman Israel / Jäckel Eberhard / Longerich Peter u. a. Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. Piper Verlag, München
JÜDINNEN UND JUDEN AUS KÄRNTEN DIE ALS OPFER DER NATIONALSOZIALISTISCHEN GEWALTHERRSCHAFT ZU TODE KAMEN
LEOPOLD BLAU
geboren am 7. November 1874 in Pressburg/Slowakei
ermordet 1942 im KZ-Treblinka/Polen
zuletzt wohnhaft in Wien 2. Bezirk
Leopold Blau, tschechischer Staatsbürger und verheiratet mit Elsa Rosenberg aus Graz, kam 1904 aus Pressburg nach Villach. Ab 1911 betrieb er mit seiner Frau ein Geschäft – das Warenhaus „Elba“ – in der Weißbriachgasse Nr.12. Leopold Blau wurde im November 1938, im Zuge der „Reichskristallnacht“ von den Nazis verhaftet und anschließend und in das KZ Buchenwald deportiert. Das Geschäft in der Weißbriachgasse wurde arisiert. Er kam wieder frei und ging nach Wien, wo er im 2. Bezirk wohnte. Am 28. Juni 1942 wurde er in das KZ Theresienstadt deportiert und von dort am 23. September 1942 in das KZ- Treblinka weiter deportiert, wo er ermordet wurde. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt. Seine Frau Elsa überlebte die Nazizeit und kam 1946 nach Villach zurück.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, S. 74, 93, 224, 303. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, namentliche Erfassung der Holocaust-Opfer. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.
DAVID DUSCHINSKY
geboren im Jahre 1870 in Preßburg/Bratislava
wohnhaft in Klagenfurt Fröhlichgasse 26
Der Kaufmann David Duschinsky aus Nadas in Ungarn ließ sich mit seiner Frau Regina 1905 in Klagenfurt nieder. Noch im selben Jahr kam ihr Sohn Josef zur Welt. Er besaß mit seiner Frau Regina eine Gemischtwarenhandlung in Klagenfurt in der Bahnhofstraße Nr.33. Nach dem Anschluss im Jahre 1938 ging er mit seiner Frau Regina nach Bratislava in die Tschechoslowakei. Laut Angabe seiner Tochter Margolit Reitmann – dokumentiert in Yad Vashem am 13. März 1957 – ist David Duschinsky in der Shoa um das Leben gekommen. Todesort und nähere Umstände seines Todes sind nicht bekannt.
Quelle: Zentrale Datenbank der Holocaustopfer von Yad Vashem. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Catinthia S. 58, 71, 102, 103, 163.
REGINA DUSCHINSKY
geboren im Jahre 1882 inWien
wohnhaft in Klagenfurt Fröhlichgasse 26
Regina Duschinsky kam mit ihrem Mann David 1905 nach Klagenfurt. Noch im selben Jahr kam ihr Sohn Josef zur Welt. Gemeinsam mit ihrem Mann führte sie eine Gemischtwarenhandlung in Klagenfurt in der Bahnhofstraße Nr.33. Nach dem Anschluss im Jahre 1938 begab sie sich mit ihrem Mann nach Bratislava in die Tschechoslowakei. Laut Angabe ihrer Tochter Margolit Reitmann – dokumentiert am 13. März 1957 in Yad Vashem – ist Regina Duschinsky in der Shoa um das Leben gekommen. Todesort und nähere Umstände ihres Todes sind nicht bekannt.
Quelle: Zentrale Datenbank der Holocaustopfer von Yad Vashem. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Catinthia S. 58, 71, 102, 103, 163.
MAX FELLNER
geboren am 1. Juni 1887 in Klagenfurt
zuletzt wohnhaft in Wien
Max Fellner wurde am 27. Oktober 1939 von Wien nach Nisko in Polen deportiert. Das Todesdatum und die näheren Umstände seines Todes sind nicht bekannt.
Quelle: Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes.
AMALIA FISCHBACH
geboren am 20. Juli 1885 in Losiacz Bez. Rorszczow
ermordet im Jahre 1942 im KZ-Auschwitz
wohnhaft in Villach Klagenfurterstraße
Amalia Fischbach war Mitglied einer großen jüdischen Villacher Familie. Sie war mit Moritz Fischbach verheiratet und hatte mit ihm zwei Söhne, Josef und Leopold. Ihr Sohn Leopold besuchte die Unterstufe des Villacher Peraugymnasiums. Zu Beginn des Jahres 1939 versuchte sie zusammen mit ihrem Mann Moritz in die USA zu flüchten. Ihr Sohn Leopold, der sich schon in den USA aufhielt, schickte ihnen ein Visum für Kuba, das er um 1000 Dollar erwarb. Die Kubanische Regierung erkannte das Visum aber nicht an, und die Flüchtlinge wurden nach Europa zurückgeschickt. Während man ihren Mann Moritz im Lager Gurs in Südfrankreich internierte, wurde Amalia Fischbach in das Lager Drancy nordöstlich von Paris gebracht und von dort am 6. November 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Quelle: Briefe von Leopold Fischbach (Sohn) Miami (PA). A. Lauritsch, Alpe adria 4/98. Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, A. Walzl, S. 229. Memorial to the Jews deported from France 1942-1944 von Serge Klarsfeld, Korrekturliste E 22221. Geburtsbuch für die Israeliten in Kärnten, Steiermark und südliches Burgenland, Bd.1, S.18, Reihenzahl 194, Eintragung vom 12. 08. 1912.
MORITZ FISCHBACH
geboren am 20. Februar 1881
gestorben 1941 in Poitier / Frankreich
wohnhaft in Villach Klagenfurterstraße
zuletzt wohnhaft in Wien 2. Bezirk in der Franz Hochedlingergasse
Moritz Fischbach wohnte mit seiner Frau Amalia in der Klagenfurterstraße in Villach. Zusammen mit seiner Frau versuchte er 1939 in die USA zu emigrieren. Obwohl sie ein Visum hatten, wurden sie nach Frankreich zurückgeschickt. Moritz Fischbach wurde in das Lager Gurs in Südfrankreich überstellt. Später kam er frei und ging zu seiner Frau Amalia, ins deutsch besetzte Frankreich, wo er im Jahre 1941 verstarb. Das genaue Todesdatum und die Umstände seines Todes sind nicht bekannt.
Quelle: Hall of Name, Yad Vashem, Jerusalem. Briefe von Leopald Fischbach (Sohn) aus Miami/USA. Gespräch mit Leopold Fischbach im Mai 2005. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, S. 229. A. Lauritsch, alpe adria 4/98, S. 20 und 21. Gabriele Mittag, Es gibt verdammte nur in Gurs, Attempo-Verlag, Tübingen.
ERNST FISCHL
geboren am 1. Mai 1889
gestorben am 18. März 1944 KZ Theresienstadt
Ernst Fischl leitete gemeinsam mit seinem Bruder Josef die Spiritus- und Hefefabrik Fischl in Limmersach bei Klagenfurt. Nach der „Reichskristallnacht“ im November 1938 flüchtete er nach Bratislava in die Tschechoslowakei. Die Fabrik wurde arisiert. Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in die Tschechoslowakei gab es keine Möglichkeit mehr zur Flucht. Am 3. August 1942 wurde er in das KZ Theresienstadt deportiert, wo er zwei Jahre später zu Tode kam.
Quelle: Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer von Yad Vashem. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia S. 92, 96, 195, 225.
SIGMUND FORST
geboren am 5. Juni 1878 in Klagenfurt
ermordet am 16. August 1943 im KZ Auschwitz
Sigmund Forst ist der Sohn von Heinrich und Fanny Forst, geborene Stern, die schon im Jahre 1873 in Klagenfurt in der Kasernengasse Nr.5 wohnten. Beide kamen aus Groß-Beczkerek in Ungarn. Während des Krieges hielt sich Sigmund Forst in Düsseldorf am Rhein auf. Er wurde in das KZ Auschwitz deportiert, wo er ermordet wurde.
Quelle: Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer von Yad Vashem. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Catinthia S. 17, 18, 78.
BERNHARD GLASER
geboren am 20. März 1884 in Preßburg/Bratislava
von 1908 bis 1922 wohnhaft in Klagenfurt
ermordet 1942 in einem polnischen Vernichtungslager
Bernhard Glaser war von 1908 bis 1922 Kultusbeamter und Matrikelführer der jüdischen Gemeinde in Klagenfurt. Während dieser Zeit verheiratete er sich mit Nora Jakubovits aus Sopron. Der Ehe entstammten bis zum Jahr 1922 vier Kinder – Helene, Herbert, Siegfried, und Frieda – die alle in Klagenfurt zur Welt kamen. Nach seiner Tätigkeit als Kultusbeamter – Ende 1922 – ging mit seiner Familie in die Tschechoslowakei, wo er als Rabbiner tätig war. Im Jahre 1942 wurde er, laut Angabe seines Sohnes Siegfried, dokumentiert in der zentralen Datenbank von Yad Vashem, in ein polnisches Vernichtungslager deportiert und ermordet. Todesort und nähere Umstände seines Todes sind nicht bekannt.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 31, 83, 107. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem.
NORA GLASER
geboren am 28. Jänner 1900 in Lackenbach/Burgenland
ermordet 1942 in einem polnischen Vernichtungslager
Nora Glaser, geborene Jakubovits, lebte nach ihrer Heirat mit Bernhard Glaser, einige Jahre in Klagenfurt. Während dieser Zeit schenkte sie vier Kindern – Helene, Herbert, Siegfried und Frieda – das Leben. Ende 1922 ging sie mit ihrem Mann und ihren Kindern in die Tschechoslowakei. Im Jahre 1942 wurde sie, laut Aussage ihres Sohnes Siegfried,
dokumentiert in der zentralen Datenbank von Yad Vashem, in ein polnisches Vernichtungslager deportiert und ermordet. Todesort und nähere Umstände ihres Todes sind nicht bekannt.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 31, 83, 107. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem.
HERBERT TOVIA GLASER
geboren im Jahre 1917 in Klagenfurt
ermordet 1942 in einem polnischen Vernichtungslager
Tovia Herbert Glaser, von Beruf Lehrer, war der Sohn von Bernhard und Nora Glaser. Ende 1922 ging er mit seinen Eltern und Geschwistern in die Tschechoslowakei, wo sein Vater als Rabbiner tätig war. Im Jahre 1942 wurde er, laut Aussage seines Bruders Siegfried,
dokumentiert in der zentralen Datenbank von Yad Vashem, in ein polnisches Vernichtungslager deportiert und ermordet. Todesort und nähere Umstände seines Todes sind nicht bekannt.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 31, 83, 107. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem.
MARIA GORNIK
geboren am 20. April 1900 in Burztyn / Polen
ermordet am 16. Oktober 1942 im KZ-Auschwitz
zuletzt wohnhaft in der Oberfeldstraße 31 bei Villach
Maria Gornik führte zusammen mit ihrem Mann Wilhelm eine Greißlerei am Kiesweg 10 in Villach. Maria Gornik, die ihren Mann während des Ersten Weltkrieges in Polen kennen gelernt hatte, war Jüdin. Im Jahre 1942 wurde sie vor der Greißlerei in Anwesenheit von Frau Wassertheurer und deren zehnjährigen Sohn, dem späteren Nationalratsabgeordneten Hofrat Dr. Johannes Gradenegger, aus „rassischen“ Gründen von der Gestapo verhaftet. Nach einigen Tagen Arrest bei der Gestapo in Villach wurde sie in das KZ-Ravensbrück deportiert, wo sie am 21. Februar 1942 eingeliefert wurde und die Häftlingsnummer 9536 erhielt. Später wurde sie in das KZ-Auschwitz-Birkenau deportiert. Ein Antrag für eine Gedenktafel für Maria Gornik, eingebracht von der KPÖ im Jahre 1949, wurde damals im Villacher Gemeinderat abgelehnt.
Quelle: Bundespolizeidirektion Villach. Brief von Dr. Johannes Gradenegger (PA). Antrag an die Stadtgemeinde (PA). Gespräch mit Frau Mathilde Wassertheurer, durchgeführt von Adele Polluk im September 1997. Fragebogen für politische Häftlinge (PA). Zugangsliste der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Sterbebücher von Auschwitz, Namensverzeichnis, K.G.Saur.
ADOLF GROSS
geboren am 11. März 1885 in Kotešová (damals zu Ungarn gehörend)
ermordet im KZ Auschwitz am 31. Mai 1942
wohnhaft in Wolfsberg
Adolf Gross lebte seit 1910 in Wolfsberg, wo er im Handelsgeschäft Ignaz Klein bis Mitte 1913 als Kaufmannslehrling arbeitete. Im Jahre 1914 heiratete er Emma Popper aus dem böhmischen Tachau. Das jung vermählte Paar eröffnete in Wolfsberg eine Gemischtwarenhandlung. In den Jahren 1919 und 1921 kamen die Töchter Lotte und Anny zu Welt. Im März 1938 wurde das Geschäft von den Nationalsozialisten besetzt. Der Familie Gross wurde die Berufsausübung und der Aufenthalt in den Geschäftsräumen verboten.
Gemeinsam mit den Töchtern fuhren sie im Jahre 1938 in die slowakische Stadt Zilina. Von dort wurde er im Jahre 1942 in das KZ Auschwitz deportiert und ermordet.
Quelle: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, namentliche Erfassung der Holocaustopfer. Andrea Lauritsch, die Juden in Wolfsberg, herausgegeben von der Stadtgemeinde Wolfsberg im Jahre 2000. Sterbebücher von Auschwitz. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 93, 155, 225, 230, 304.
EMMA GROSS
geboren am 11. September 1893 in Tachau in Böhmen
ermordet am 19. September 1942 im KZ Auschwitz
wohnhaft in Wolfsberg
Emma Popper wurde als Tochter von Max und Lotte Popper in der böhmischen Stadt Tachau geboren. Nach ihrer Verehelichung im Jahre 1914 mit Adolf Gross, übersiedelte sie nach Wolfsberg, wo sie mit ihrem Mann eine Gemischtwarenhandlung betrieb. In den Jahren 1919 und 1921 brachte sie ihre beiden Töchter Lotte und Anny zu Welt. Nach dem „Anschluss“ im März 1938, verließ sie mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern Wolfsberg und begab sich nach Zilina in der Slowakei. Von dort wurde sie im Jahre 1942 gemeinsam mit ihrem Mann in das KZ Auschwitz deportiert und ermordet.
Quelle: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, namentliche Erfassung der Holocaustopfer. Andrea Lauritsch, die Juden in Wolfsberg, herausgegeben von der Stadtgemeinde Wolfsberg im Jahre 2000. Sterbebücher von Auschwitz. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 225, 230.
COCA HARNISCH
geboren am 1. Jänner 1892 in Jakobeny/Galizien
deportiert in das KZ Auschwitz
Coca Harnisch kam nach dem 1. Weltkrieg nach Kärnten, wo sie sich in Völkermarkt niederließ. Nach der Machtergreifung der Nazis ging sie nach Wien. Von dort wurde sie am 17. Juli 1942 in das KZ Auschwitz deportiert. Todestag und nähere Umstände ihres Todes sind nicht bekannt.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 323. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes.
FRIEDRICH HARNISCH
geboren am 18. April 1885 in Jakobeny/Galizien
deportiert am 20 Mai 1942 nach Maly Trostinec / Weissrussland
Friedrich Harnisch kam nach dem 1. Weltkrieg mit seinem Bruder Heinrich nach Kärnten. Nach dem Anschluss an Hitlerdeutschland begab er sich nach Wien. Am 20. Mai 1942 wurde er nach Maly Trostinec / Weißrussland deportiert, wo er ums Leben kam.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 92, 238. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes.
MEIR HAS
geboren im Jahre 1899
wohnhaft in Klagenfurt
gestorben 1940 in Lublin / Polen
Meir Has war von Beruf Arzt. Laut Aussage seines Bruders Israel, dokumentiert in der zentralen Datenbank von Yad Vashem, ist er nach Lublin in Polen deportiert worden, wo er im Jahre 1940 ums Leben kam.
Quelle: Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem.
OSKAR JANOWITZER
geboren am 17. Juni 1874 in Wien
ermordet in Kowno/Kaunas am 29. November 1941
Nach dem 1. Weltkrieg kam Dr. Oskar Janowitzer als Rechtsanwalt nach Kärnten. Nach dem Anschluss an Hitlerdeutschland durfte er nicht mehr als Rechtsanwalt arbeiten. Er ging nach Wien in der Hoffnung sich dort eine neue Existenz aufzubauen zu können.
Am 23. November 1941 wurde er nach Kowno/Kaunas deportiert und dort ermordet.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 92, 238. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes.
CHARLOTTE KLARFELD
geboren am 7. April 1888 in Polen
deportiert in das KZ Auschwitz Birkenau
zuletzt wohnhaft in Velden am Wörthersee
Charlotte Klarfeld, Besitzerin der Villa „Clothilde“ in Velden, flüchtete im Oktober 1938 nach Lemberg. Dort wurde sie, laut Angaben ihrer Tochter Irene, im September 1941 von den Nationalsozialisten verhaftet und in das KZ-Auschwitz-Birkenau deportiert. Nähere Umstände über ihren Tod sind nicht bekannt. Ihr Besitz in Velden wurde arisiert.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 190, 225. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes.
FRIEDRICH KLINGER
geboren am 15. Jänner 1892 in Klagenfurt
ermordet im KZ Sachsenhausen
Friedrich Klinger ist der Sohn von Sigmund Klinger, der 1888/89 aus Ungarn nach Klagenfurt kam, wo er einen Kleiderhandel versuchte und damit auch Erfolg hatte. Anfangs hatte er sein Geschäft in der Burggasse Nr. 21, ein Jahr später in der Bahnhofstraße Nr. 31 und ab 1894 auf dem Neuen Platz Nr. 11. Während des Krieges hielt sich Friedrich Klinger in Kosice in der Slowakei auf. Laut Angabe seines Sohnes Inbal Nakham Klinger – dokumentiert in Yad Vashem im Jahre 1978 – wurde er in das KZ Sachsenhausen deportiert, wo er ermordet wurde.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 25, 27, 41, 56, 79. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes.
ERNEST KOPEINIG
geboren am 07. Dezember 1912 in Nagyszombat/Ungarn
gestorben am 09. Juli 1942 im KZ-Auschwitz
zuletzt wohnhaft in Bleiberg / Villach
Ernest Kopeinig war der Sohn von Josef und Irene Kopeinig, geborene Schönfeld, die sich am 26. März 1905 in Ungarn verehelicht haben. Josef Kopeinig, von Beruf Schuhmacher, ist in Wöllan in der Pfarre Afritz / Bezirk Villach am 30. 01. 1878 geboren. Aus dieser Ehe entstammen sechs Kinder, die alle in Nagyszombat in Ungarn zur Welt kamen. Elmer (12. 01. 1906), Regina (11. 05. 1909), Wilhemine (12. 06. 1911), Ernest (07. 12. 1912), Margareta (07. 10. 1914) und Georg (04. 06. 1917) Ab dem Jahre 1933 lebte die Familie in Bad Bleiberg bei Villach. Ernest Kopeinig wurde vorerst in ein Lager nach Lublin deportiert und von dort weiter in das KZ-Auschwitz wo er am 09. Juli 1942 umkam.
Quelle: Einwohnerverzeichnis von Bad Bleiberg bei Villach. Datenbank des Dokumentatiosarchivs des Österreichischen Widerstandes, DÖW, zur namentlichen Erfassung der Holocaustopfer.
MARGARETA KOPEINIG
geboren am 07. Oktober 1914 in Nagyszombat/Ungarn
zuletzt wohnhaft in Bleiberg / Villach
Margareta Kopeinig war die Tochter von Josef und Irene Kopeinig, geborene Schönfeld, die sich am 26. 03. 1905 in Ungarn verehelicht haben. Josef Kopeinig, von Beruf Schuhmacher, ist in Wöllan in der Pfarre Afritz / Bezirk Villach am 30. 01. 1878 geboren. Aus dieser Ehe entstammen sechs Kinder, die alle in Nagyszombat in Ungarn zur Welt kamen. Elmer (12. 01. 1906), Regina (11. 05. 1909), Wilhemine (12. 06. 1911), Ernest (07. 12. 1912), Margareta (07. 10. 1914) und Georg (04. 06. 1917) Ab dem Jahre 1933 lebte die Familie in Bad Bleiberg bei Villach. Margarete Kopeinig wurde so wie ihr Bruder Ernest aus „rassischen“ Gründen deportiert. Der letzte bekannte Aufenthaltsort war Bratislava, von wo aus sie in ein unbekanntes Lager deportiert wurde. Todesdatum und Todesort sind nicht bekannt.
Quelle: Einwohnerverzeichnis von Bad Bleiberg bei Villach. Datenbank des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes zur namentlichen Erfassung der österreichischen Holocaustopfer.
ROSA LILIAN
geboren 1860 in Stanislaus / Polen
wohnhaft in Klagenfurt
zuletzt wohnhaft in Wien 2, Grosse Schiffgasse 3
ermordet im KZ Treblinka
Rosa Lilian war die Tochter von Moses und Esther Bibring. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland ging sie nach Wien. Am 14. Juli 1942 wurde sie in das KZ Theresienstadt deportiert und von dort am 23. August in das KZ Treblinka überstellt, wo sie ermordet wurde.
Quelle: Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.
HEDWIG LINKER
geboren am 3. Juli 1917
wohnhaft in Klagenfurt Gabelsbergerstraße
ermordet im Jahre 1942 im KZ Sajmište bei Belgrad
Hedwig Linker, verheiratet mit Leon Linker, war die Tochter von Leopold und Stefanie Czuczka, einer erfolgreichen Kaufmannsfamilie aus Spittal an der Drau. Im Jahre 1938, nach der Machtergreifung der Nazis, ging sie mit Ihrem Mann Leon und ihrer dreijährigen Tochter Eva nach Wien, um von dort die Flucht aus Europa zu organisieren. Ende 1939 versuchte die Familie Linker mit einem illegalen Fluchttransport auf einem Donaudampfer zum Schwarzen Meer zu gelangen. Nach zweiwöchiger Fahrt wurde das Schiff jedoch in Kladovo, einem kleinen jugoslawischen Hafen im Dreiländereck Rumänien – Jugoslawien – Bulgarien, angehalten. Die Flüchtlinge wurden bei Bauern in der Umgebung untergebracht. Im September 1940 wurden die Flüchtlinge in das kleine serbische Städtchen Šabac in der Nähe von Belgrad überstellt. Nach dem Überfall auf Jugoslawien im April 1941 wurden sie in einem Lager nahe Šabac interniert. Im Oktober 1941 wurden alle Männer, im Zuge einer sogenannten „Sühneaktion“ von der Deutschen Wehrmacht erschossen. Ende 1941 wurden die Frauen und die Kinder, deren Männer und Väter zuvor erschossen worden waren, in das KZ Sajmište, einem Vorort von Belgrad überstellt. Ab März 1942 wurden jeden Tag mit zwei eigens aus Deutschland herbeigeschafften „Gaswagen“, 50 bis 80 Menschen vergast. Darunter war auch Hedwig Linker mit ihrer damals fünfjährigen Tochter Eva.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 225. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Aussage von Erika Weissmann, Schwester von Hedwig Linker wohnhaft in Israel. Walter Manoschek, Die Wehrmacht im Rassenkrieg, Picus Verlag, ISBN 3-85452-295-9, S. 147 – 167.
LEON LINKER
geboren am 18. Februar 1907 in Storojinet in der Bukowina
wohnhaft in Klagenfurt Gabelsbergerstraße
ermordet am 12. Oktober 1941 im KZ Šabac in Serbien
Leon Linker, verheiratet mit Hedwig Linker, war der Sohn von Regina und Samuel Linker. Nach der Machtergreifung der Nazis ging er mit seiner Frau Hedwig und seiner Tochter Eva nach Wien, um von dort die Flucht aus Europa vorzubereiten. Ende 1939 versuchte die Familie Linker mit einem illegalen Fluchttransport auf einem Donaudampfer zum Schwarzen Meer zu gelangen. Nach zweiwöchiger Fahrt wurde das Schiff jedoch in Kladovo, einem kleinen jugoslawischen Hafen im Dreiländereck Rumänien – Jugoslawien – Bulgarien, angehalten. Die Flüchtlinge wurden bei Bauern in der Umgebung untergebracht. Im September 1940 wurden die Flüchtlinge in das kleine serbische Städtchen Šabac in der Nähe von Belgrad überstellt. Nach dem Überfall auf Jugoslawien im April 1941 wurden sie in einem Lager nahe Šabac interniert. Im Oktober 1941 wurden alle Männer, im Zuge einer sogenannten „Sühneaktion“ von der Deutschen Wehrmacht erschossen. Darunter war auch der damals 34jährige Leon Linker.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 92, 225, 228, 237. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Aussage von Erika Weissmann, Schwester von Hedwig Linker, wohnhaft in Isral. Walter Manoschek, Die Wehrmacht im Rassenkrieg, Picus Verlag, ISBN 3-85452-295-9.
EVA LINKER
geboren im Jahre 1937 in Klagenfurt
wohnhaft in Klagenfurt Gabelsbergerstraße
ermordet im Jahre 1942 im KZ Sajmište bei Belgrad
Eva Linker war die Tochter von Hedwig und Leon Linker. Im Alter von fünf Jahren wurde sie zusammen mit ihrer Mutter in einem „Gaswagen“ von den Nationalsozialisten ermordet.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 92, 225, 228, 237. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Aussage von Erika Weissmann, Schwester von Hedwig Linker, wohnhaft in Israel. Walter Manoschek, Die Wehrmacht im Rassenkrieg, Picus Verlag, ISBN 3-85452-295-9.
REGINE LINKER
geboren in Sereth in der Bukowina
wohnhaft in Klagenfurt in der Bäckergasse
gestorben im Dezember 1940 in Wien
Um die Flucht aus Europa vorzubereiten, begab sich Regine Linker nach dem Anschluss mit ihrem Mann Samuel nach Wien. Dort verstarb sie, laut Eintragung ihres Sohnes Mark – verzeichnet in der zentralen Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem – im Dezember 1940.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem.
SAMUEL LINKER
geboren in Storojinet in der Bukowina
wohnhaft in Klagenfurt in der Bäckergasse
ermordet am 9. Februar 1940 im KZ Buchenwald
Samuel Linker kam nach dem 1. Weltkrieg nach Klagenfurt. Am Kardinalsplatz besaß er ein
Geschäft, das mit Rohprodukten und Altmetallen handelte. Nach dem Anschluss versuchte er mit seiner Frau Regina auszureisen und ging nach Wien, um die Flucht aus Europa vorzubereiten. Im Jahre 1940 wurde er in das KZ Buchenwald deportiert und ermordet.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 92, 102, 163, 225, 226, 237. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes.
EMILIE LITASSY
geboren am 10. August 1867
ermordet am 11. Juli 1943 im KZ Theresienstadt
zuletzt wohnhaft in Velden am Wörthersee
Emilie Litassy, eine gutmütige ältere Dame, arbeitete an der Kinokasse im späteren „Roten Salon“ des Schlosshotels in Velden. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurde sie von den Nazis verhaftet und am 13. August 1942 mit dem 35. Transport, sie erhielt die Nummer 167, in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 11. Juli 1943 verstarb.
Quelle: Velden 2000, Informationsmedium der Sozialdemokraten der Gemeinde Velden, Juni 1995 Nr.8. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.
OLGA LÖWY
geboren am 21. Juli 1896 in Judenburg/Steiermark
wohnhaft in Klagenfurt
zuletzt wohnhaft Wien I, Sterngasse 11
umgekommen im Ghetto von Riga/Lettland
Olga Loewy hat sich während des Krieges in Wien aufgehalten. Von dort wurde sie am 11. Jänner 1942 in das Ghetto von Riga verschleppt, wo sie ums Leben kam.
Quelle: Zentrale Datenbank der Holocaustopfer von Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes.
NANDOR LUSTIG
geboren 6. März 1891 in Velky Mager / Tschechoslowakei
wohnhaft in Klagenfurt
ermordet im Jahre 1942 in einem polnischen Konzentrationslager
Nandor Lustig, von Beruf Kaufmann, kam 1924 von Wien nach Klagenfurt, wo er später als Beamter tätig war. Während des Krieges ging er mit seiner Frau Etka nach Bratislava in die Tschechoslowakei. Im Jahre 1942 wurde er in ein polnisches Konzentrationslager deportiert und ermordet. Todesort und nähere Umstände seines Todes sind nicht bekannt.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten S. 72, 225. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem.
PAUL ELIMELEKH LUSTIG
geboren am 8. Juli 1930 in Klagenfurt
wohnhaft in Klagenfurt
ermordet in einem polnischen Konzentrationslager
Paul Elimekh Lustig war der Sohn von Etka und Nandor Lustig. Während des Krieges ging er mit seinen Eltern in die Tschechoslowakei. Im Jahre 1942 wurde er in ein polnisches Konzentrationslager deportiert. Todesort und nähere Umstände seines Todes sind nicht bekannt.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 72, 225. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem.
ALFONS NEUMANN
geboren am 22. August 1888 in Klagenfurt
zuletzt wohnhaft in Graz
ermordet am 22. Juli 1941 im KZ Buchenwald
Alfons Neumann war der Sohn von Emanuel und Mathilde Neumann, geborene Tausig, die in Klagenfurt Wienergasse 4 ein Haus besaßen. Im Jahre 1922 erwarb er die österreichische Staatsbürgerschaft. Während der Kriegszeit hielt er sich in Graz auf. Er wurde in das KZ Buchenwald deportiert, wo er ermordet wurde.
Quelle: Zentrale Datenbank der Holocaustopfer von Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 78, 102.
EMANUEL NEUMANN
geboren am 12. Mai 1858
wohnhaft in Klagenfurt Wienergasse Nr. 4
ermordet am 8. September 1942 im KZ Theresienstadt
Emanuel Neumann beteiligte sich im Jahre 1887 an der Gründung des Kultusvereins. Im Jahre 1899 hat er sich mit seiner Frau Mathilde in der Klagenfurter Innenstadt angesiedelt, wo er im Jahre 1905 das Haus Wienergasse Nr. 4 erwarb. Nach der Machtergreifung der Nazis ging er nach Wien, von wo er am 15. Juli 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert wurde, wo er zu Tode kam.
Quelle: Zentrale Datenbank der Holocaustopfer von Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 18, 19, 28, 36, 38, 78, 80, 102, 235, 236, 237, 245. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.
MATHILDE NEUMANN
geboren am 25. April 1860
wohnhaft in Klagenfurt Wienergasse 4
ermordet am 7. Oktober 1942 im KZ Theresienstadt
Mathilde Neumann, geborene Tausig, war mit Emanuel Neumann verheiratet. Nach der Machtergreifung der Nazis im März 1938 musste sie nach Wien gehen. Am 15. Juli 1942 wurde sie in das KZ Theresienstadt deportiert, wo sie zu Tode kam.
Quelle: Zentrale Datenbank der Holocaustopfer von Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 71, 75, 77, 98, 235, 236, 237, 245. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.
ELLA OSTERMANN
geboren am 1. März 1869 in Polen
ermordet im KZ Treblinka am 23. September 1942
wohnhaft in Klagenfurt
zuletzt wohnhaft in Wien Seitenstettergasse 4
Ella Ostermann wurde am 14. Juli 1942 von Wien in das KZ Theresienstadt deportiert. Zwei Monate später, am 21. September 1942 wurde sie in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort ermordet.
Quelle: Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005,
ISBN 3-8258-7590-3.
JULIE PIRKNER
geboren am 26. November 1897 in Tulln/Niederösterreich
wohnhaft in Klagenfurt
deportiert in das KZ Auschwitz
Julie Pirkner, von Beruf Beamtin, war die Tochter von Bernhard und Rosa Spitz. Gleich nach dem Anschluss hat sich der Mann, mit dem sie einen Sohn hatte, aus dem Staub gemacht und ließ sich von ihr scheiden. Julie Pirkner ging nach Wien, um von dort die Flucht zu organisieren. Während ihr Sohn Josef mit einem Jugendtransport nach Schweden gelangte, blieb sie in Wien zurück. Am 17. August 1942 wurde sie in das KZ Auschwitz deportiert. Todestag und nähere Umstände ihres Todes sind nicht bekannt.
Quelle: Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 98, 148, 236, 243.
WALTER PORGES
geboren am 28. Oktober 1887 in Spittal an der Drau
zuletzt wohnhaft in Spittal an der Drau
ermordet im KZ Auschwitz
Walter Porges, von Beruf Arzt, war langjähriger sozialdemokratischer Gemeinderat in Spittal/Drau. Mit seiner Frau Erna, geborene Mehlhausen, hatte er drei Kinder. Sein Vater, Salomon Porges, war ebenfalls Arzt, der viele Jahre in Gmünd praktizierte. Im Jahre 1881 ist er aus Gmünd weggezogen und k. u. k. Bezirksarzt in Spittal an der Drau geworden. Walter Porges übernahm die Praxis seines Vaters in Spittal und führte sie weiter. Im Jahre 1939 wurde er von seiner Frau und seinen Kindern, die im schulpflichtigen Alter waren, getrennt und von den Nazis gezwungen als „Judenarzt“ nach Wien zu gehen. 1942 wurde er in das KZ Auschwitz deportiert, wo er zu Tode kam.
Quelle: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, namentliche Erfassung der Holocaustopfer. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 59, 215. Ausstellungskatalog, 800 Jahre Spittal 1191 – 1991, Hrg. Gemeinde Spittal, S. 197. Gespräch mit der Tochter Dr. Waltraud Waschnig wohnhaft in Spittal/Drau am 5. Mai 2006. Stadtführer Spittal, Monatsblatt für Kultur Tourismus und Komminikation, Oktober/November 1995, S. 3.
EVA PREIS
geboren am 22. März 1935 in Klagenfurt
wohnhaft in Klagenfurt
zuletzt wohnhaft in Wien 2, Hofenedergasse 6/28
ermordet im KZ Auschwitz
Evas Preis war die Tochter von Else und Felix Preis. Im Jahre 1938, im Alter von drei Jahren, zog sie zusammen mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Peter nach Wien, wo sich die Familie bei der Kultusgemeinde für Auswanderungsplätze registrieren ließ. Am 20. August 1942 wurde die gesamte Familie Preis in das KZ Theresienstadt deportiert, wo Eva ihre Großmutter Hermine wieder sah, die ein Monat vorher nach Theresienstadt deportiert wurde.
Von dort wurde sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Peter am 16. Mai 1944 in das KZ Auschwitz überstellt, wo sie ermordet wurde. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 237, 238, 239. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.
FELIX PREIS
geboren am 30. September 1896 in Klagenfurt
wohnhaft in Klagenfurt
zuletzt wohnhaft in Wien Hofenedergasse 6/28
ermordet am 28. Februar 1944 im KZ Theresienstadt
Felix Preis wurde am 30. 09. 1896 in Klagenfurt geboren und entstammte einer angesehenen jüdischen Familie. Zum Familienbetrieb gehörten mehrere Konfektionsgeschäfte und Werkstätten. Felix hatte zwei ältere Brüder und zwei Schwestern. Alle drei Brüder meldeten sich freiwillig zum Ersten Weltkrieg. Im Juni 1917 wurde Felix Preis schwer verwundet und geriet in italienische Kriegsgefangenschaft. Aufgrund seiner Kriegsverletzung blieb Felix ständig invalid. Nach dem 1. Weltkrieg übernahm er ein Konfektionsgeschäft in Klagenfurt. Er heiratete am 17. September 1933 Else Schneider, die am 25. April 1908 in St. Johann im Pongau geboren wurde und wo ihre Eltern eine Schneiderei und ein Kaufhaus besaßen. Am 22. März 1935 kam ihre Tochter Eva und am 12. Juni 1936 ihr Sohn Peter in Klagenfurt zur Welt. In der „Reichskristallnacht“ vom 10. November 1938 wurde auch die Familie Preis zum Angriffsziel der Nationalsozialisten. Felix Preis wurde mit seinen beiden Brüdern Robert und Emil in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert, wo sie ein Monat später wieder freigelassen wurden. Anschließend übersiedelte Felix Preis mit seiner Frau und seinen beiden Kindern nach Wien, weil er glaubte, dort sicherer zu sein. Er suchte in Wien um eine Ausreiseerlaubnis an, welche ihm aber abgewiesen wurde. Die Familie wechselte sehr oft ihre Wohnung, ihre letzte Wohnadresse war Wien 2, Hofenedergasse 6/28. Am 20. August 1942 wurde die gesamte Familie mit dem Transport IV/8 von Wien in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort starb Felix Preis am 29. Februar 1944. Seine Frau Else wurde mit ihrem Sohn Peter und ihrer Tochter Eva am 16. Mai 1944 in das KZ Auschwitz überstellt, wo sie ermordet wurden. Seine beiden Brüder Robert und Emil gelang die Flucht nach Italien. Beide überlebten und kehrten nach dem Krieg nach Klagenfurt zurück.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 90, 98, 102, 237, 238, 245. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.
ELSE PREIS
geboren am 25. April 1908 in St. Johann im Pongau
wohnhaft in Klagenfurt
zuletzt wohnhaft in Wien 2, Hofenedergasse 6/28
ermordet im KZ Auschwitz
Else Preis, geborene Schneider, verheiratete sich am 17. September 1933 mit Felix Preis. In St. Johann im Pongau besaßen ihre Eltern eine Schneiderei und ein Kaufhaus. Am 22. März 1935 kam ihre Tochter Eva und am 12. Juni 1936 ihr Sohn Peter in Klagenfurt zur Welt. Nach der „Reichskristallnacht“ vom 10. November 1938 begab sich das Ehepaar mit ihren beiden Kindern aus Sicherheitsgründen nach Wien, wo sie um eine Ausreiseerlaubnis ansuchten.
Am 20. August 1942 wurde sie gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in das
KZ Theresienstadt deportiert. Von dort wurde sie mit ihren beiden Kindern Eva und Peter am 16. Mai 1944 in das KZ Auschwitz überstellt, wo sie ermordet wurde. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 186, 187, 188, 190, 215, 238, 239, 241, 244, 245. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.
HERMINE PREIS
geboren am 14. September 1870 in Linz
wohnhaft in Klagenfurt Flensburgerplatz Nr. 1
ermordet am 8. Juni 1944 im KZ Auschwitz
Hermine Preis, geborene Mautner, verehelichte sich im Jahre 1892 mit dem Klagenfurter Unternehmer Adolf Preis. Sie betrieben in Klagenfurt eine Schneiderei und ein Herrenkonfektionsgeschäft. Hermine Preis brachte fünf Kinder Robert, Emil, Marianne, Felix und Dora zur Welt. In der „Reichskristallnacht“, im November 1938, war die Familie Preis Opfer von gewalttätigen Ausschreitungen. Das Geschäft und die Wohnung wurden von nationalsozialistischen Trupps verwüstet und geplündert. Das Geschäft und die Wohnung wurden arisiert. Über die Zerstörungen berichtete nach dem Krieg Frau Elisabeth Iris Puschl, Enkeltochter von Hermine Preis uns damals sechs Jahre alt: „Ich habe das Gefühl gehabt, als ob dort eine riesige Bahn durchgefahren sei, so arg waren der Krawall und der Radau, das Krachen von umgestürzten Möbeln und zersplitternden Geschirr, dann krachte es auch unten im Hof und auf der Straße. Die Bilder an den Wänden sind einfach zerschnitten worden. Das spielte sich massiert an einem Tag ab. Es waren vorwiegend junge Leute, die in mehreren Wellen immer wieder kamen. Meine Mutter wollte immer wieder hinüber in die Wohnung der Großmutter, aber mein Vater hat sie mit aufgehobenen Händen gebeten: „ Geh nicht hinüber, so geh doch nicht hinüber“. Sie ist aber in verschiedenen Pausen doch immer wieder hinüber geschlichen und hat verschiedenes zu retten versucht und herübergebracht“. Ihre Söhne Robert, Emil und Felix wurden verhaftet und in das KZ Dachau verschleppt, wo sie bis zum 10. Dezember interniert wurden. In der ersten Hälfte des Jahres 1942 wurde die damals 72-jährige Hermine Preis verhaftet und laut Aussage ihrer Enkeltochter, von Klagenfurt aus vorerst nach Wien und später, im Juli 1942, in das KZ Theresienstadt deportiert. Am 22. April 1944 schrieb Hermine Preis aus dem KZ Theresienstadt das letzte Mal nach Klagenfurt zu ihrer dort lebenden Tochter Marianne Schiffler, dass es ihr „recht gut geht und dass ihre beiden Enkelkinder Evi und Peter, die sich ebenfalls im KZ Theresienstadt befanden, sehr gewachsen sind“. Am 15. Mai 1944 wurde sie in das KZ Auschwitz überstellt, wo sie ermordet wurde.
Quelle: August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 186, 187, 188, 190, 215, 238, 239, 241, 244, 245. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3.
PETER ADOLF PREIS
geboren am 12. Juni 1936 in Klagenfurt
wohnhaft in Klagenfurt
zuletzt wohnhaft in Wien 2 Hofenedergasse 6/28
ermordet im KZ Auschwitz im Jahre 1944.
Peter Preis war der Sohn von Else und Felix Preis. Im Jahre 1938, im Alter von zwei Jahren, ging er zusammen mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester Eva nach Wien, wo sich die Familie bei der Kultusgemeinde für Auswanderungsplätze registrieren ließ. Am 20. August 1942 wurde er zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester in das KZ Theresienstadt deportiert. Von dort wurde er als sechsjähriger mit seiner Mutter am 16. Mai 1944 in das KZ Auschwitz überstellt, wo er zu Tode kam. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt.
Quelle: Walzl, August: Juden in Kärnten – der Fall Preis als Exempel, in: Zeitgeschichte, Heft 5, S. 183 – 193, Wien 1983. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 237, 239. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2005, ISBN 3-8258-7590-3. Walzl, August: Juden in Kärnten – der Fall Preis als Exempel, in: Zeitgeschichte, Heft 5, S. 183 – 193, Wien 1983
ERNST SALZBERGER
geboren am 1. August 1922
wohnhaft in Klagenfurt Bahnhofstraße 55
Die Eltern von Ernst Salzberger – Nandor und Mira Salzberger – besaßen einen gut gehenden Holzgroßhandel. Die Firma, mit der französischen Bezeichnung „Silvana Production e Commerce des bois“, existierte seit dem Jahre 1927. Nach der Machtübernahme der Nazis im Jahre 1938 wurde der Betrieb arisiert und die Familie war gezwungen nach Bratislava in die Tschechoslowakei zu gehen. Ernst Salzberger wurde nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Tschechoslowakei in ein Konzentrationslager verschleppt, wo er ums Leben kam. Todesort und nähere Umstände seines Todes sind nicht bekannt.
Aussage von Dipl. Ing. Dr. Ernst Messina, wohnhaft Oberer Heidenweg 3, 9500 Villach,
am 27. 03. 2003, während eines Gespräches mit dem Autor: „Ich bin mit Ernst Salzberger in die Schule gegangen und zwar in die Übungsvolksschule der LBA-Klagenfurt in der Bahnhofstraße. Später bin ich mit ihm ins Gymnasium gegangen, bis zur 6. Klasse. Es handelt sich um das heutige Europagymnasium am Völkermarkterring 27. Die Eltern von Ernst Salzberger hatten einen Holzhandel in Klagenfurt. Sie wohnten in der Bahnhofstraße bei der Kreuzung Gabelsbergerstraße im 1. Stock. Es sind noch andere Juden in derselben Klasse gewesen: der Sohn des Rabbiners Hauser, ein gewisser Reinisch und ein gewisser Lilien. In den Jahresberichten des Gymnasiums vor 1938 können diese Namen, Geburtsdaten, und Wohnadressen genau nachgelesen werden“.
Quelle: Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Gespräch mit Ernst Messina, Mitschüler. Zentrale Datenbank der Holcaustopfer in Yad Vashem. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 28, 69, 96, 102, 157, 163, 192, 193, 223, 224, 230, 231,
SIEGFRIED SAX
geboren am 17. Oktober 1882 in Kyjov/Tschechoslowakei
wohnhaft in Spittal an der Drau
deportiert in das KZ Auschwitz
Gleich nach dem Anschluss verließ Siegfried Sax Kärnten und ging nach Kyjov in die Tschechoslowakei. Die Veräußerung seines Immobilienbüros überließ er seinem Schwager.
Am 23. Jänner 1943 wurde er in das KZ Theresienstadt deportiert. Von dort wurde er am 6. September 1943 in das KZ Auschwitz überstellt. Todestag und nähere Umstände seines Todes sind nicht bekannt.
Quelle: Datenbank der Holocaustopfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Zentrale Datenbank der Holcaustopfer in Yad Vashem. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das dritte Reich, Universitätsverlag Carinthia, S. 224, 225.
OTTO ZEICHNER
geboren am 19. Februar 1921 in Klagenfurt
ermordet am 11. November 1942 im KZ Auschwitz
wohnhaft in Klagenfurt
Otto Zeichner, von Beruf Student, ist nach Holland geflüchtet und hielt sich während des Krieges in Westerbork auf. Von dort wurde er mit einen Transport holländischer Juden in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet Quelle: Datenbank der Holocaustopfer im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Catinthia, ISBN 3-85378-298-1.
BERTA ZEICHNER
geboren am 4. März 1894 in Tulln
wohnhaft in Klagenfurt
deportiert in das Ghetto von Kielce / Polen
Berta Zeichner wurde am 19. Februar 1941 von Wien nach Polen in das Ghetto von Kielce deportiert. Todesort und nähere Umstände ihres Todes sind nicht bekannt.
Quelle: Datenbank der Holocaustopfer im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem. August Walzl, Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Universitätsverlag Catinthia, ISBN 3-85378-298-1.
DEPORTATIONSZIELE UND TODESORTE
Der Kladovo-Transport
Im November 1939 verließ ein Transport, mit rund 1200 jüdischen Flüchtlingen an Bord, den Donauhafen in Bratislava. Das Fluchtziel war Palästina. Das britische Mandatsgebiet Palästina war zu dieser Zeit, als die meisten Länder keine jüdischen Flüchtlinge mehr aufnahmen, eines der letzten verbliebenen Fluchtziele. Doch auch die Briten hatten längst strenge Einwanderungsbeschränkungen erlassen. Im Mai 1939 reduzierten die Briten die Immigration durch das sogenannte Weißbuch auf ein Minimum. Mit Kriegsbeginn wurden jüdische Flüchtlinge aus den feindlichen Gebieten ebenfalls als “feindliche Ausländer” betrachtet. Auf die Balkanländer entlang der Donau wurde Druck ausgeübt, Flüchtlingsschiffe an der Durchfahrt zu hindern. Der Transport, der später als Kladovo-Transport in die Geschichte eingehen sollte, war also ein illegaler und fuhr in dem Bewusstsein los, dass es äußerst riskant, vielleicht sogar unmöglich sein werde, nach Palästina hineinzukommen.
Doch die Reise auf den jugoslawischen Schiffen endete wenig später, im Dezember 1939 in der Ortschaft Kladova, einem kleinen Donauhafen im Dreiländereck zwischen Rumänien, Bulgarien und Jugoslawien. Am Silvestertag des Jahres 1939 wurden die Schiffe in den Winterhafen von Kladovo eingewiesen. In diesem kleinen Ort, der 54 Kilometer von der nächsten Eisenbahnstation entfernt und im Winter praktisch abgeschlossen war, sollten die Flüchtlinge die Eisschmelze abwarten. Aus dem kurzen Aufenthalt wurden Monate des bangen Wartens und der Unsicherheit.
Auf den Schiffen herrschten unerträgliche Zustände: räumliche Beengtheit, Schmutz und klirrende Kälte. Erst nach einigen Wochen erhielten die Flüchtlinge die Erlaubnis zu zeitlich begrenzten Aufenthalten am Ufer. Nach weiteren Wochen drängte die Schifffahrtsgesellschaft auf die Räumung der drei Dampfer und die Flüchtlinge übersiedelten an Land – teilweise in den Ort, teilweise in Baracken und teilweise in ein Zeltlager am Ufer. Im Zeltlager und im Barackenlager, die sich in der Nähe großer Sümpfe befanden, grassierte bald die Malaria, und wegen der unzureichenden Ernährung, des Schmutzes und des Ungeziefers breiteten sich Krätze und Furunkulose aus. Vereinzelt traten auch Fälle von Kinderlähmung, Rotlauf und Typhus auf.
Erst im September 1940 konnte die Flüchtlingsgruppe die Ortschaft Kladovo endlich verlassen. Zum Entsetzen der Flüchtlinge führte die Reise jedoch nicht, wie erwartet, Richtung Donaudelta, sondern stromaufwärts in das kleine serbische Städtchen Šabac nahe Belgrad. In Šabac durften sich die Flüchtlinge mit bestimmten Beschränkungen frei in der Stadt bewegen. Die Menschen genossen die größere Bewegungsfreiheit. Obwohl offiziell verboten, suchten viele nach Beschäftigungsmöglichkeiten bei der ortsansässigen Bevölkerung, um sich etwas Taschengeld verdienen zu können. Trotz dieser Erleichterung lebten die Flüchtlinge weiterhin auf Abruf. Auch der Aufenthalt in Šabac war bestimmt von Unsicherheit und bangem Warten.
Im April 1941 marschierte die deutsche Wehrmacht in Jugoslawien ein. Nach wenigen Wochen kapitulierten Griechenland und Jugoslawien. Die Kladovo-Gruppe hatte keine Chance mehr. Nun saßen die Flüchtlinge, eineinhalb Jahre nach der Abfahrt von Bratislava in der Falle. Die deutsche Wehrmacht, die sich zunächst auf eine ruhige Besatzungsherrschaft am Balkan einrichtete, war bald in einen verlustreichen Partisanenkampf verwickelt. Hitler erteilte den Auftrag, die Ordnung auf schnellstem Wege wiederherzustellen. Zum führenden General wurde der Österreicher Franz Böhme bestellt. Dieser ließ sogenannte Sühnemaßnahmen durchführen: Für jeden verwundeten deutschen Soldaten mussten 50 und für jeden gefallenen deutschen Soldaten mussten 100 Zivilisten erschossen werden. Im Oktober 1941 wurden alle Männer des Transports bei einer derartigen Sühneaktion von einer Einheit der deutschen Wehrmacht erschossen.
Ende 1941/Anfang 1942 wurden die jüdischen Frauen und Kinder des Transportes, deren Männer und Väter zuvor erschossen worden waren, in das damals gerade gegründete KZ Sajmište in einem Vorort von Belgrad überstellt. Die Bedingungen im KZ Sajmište waren grauenvoll, es war eiskalt, überfüllt und es gab kaum zu essen. Der Kommandant dieses Konzentrationslagers war der Österreicher Herbert Andorfer. Vermutlich im März 1942 wurde Andorfer darüber informiert, dass demnächst ein »Spezialfahrzeug« aus Berlin eintreffen werde, in dem die Juden »eingeschläfert« würden. Vom März bis Mai 1942 mussten jeden Tag 50 bis 60 Menschen in diese LKWs einsteigen. Auf der Fahrt durch Belgrad zum Zielort Avale wurde Gas eingeleitet. In Avale hatte ein Häftlingskommando bereits die Gruben für die Ermordeten ausgehoben. Zum Ende der Aktion im Mai 1942 waren die rund 7500 Jüdinnen und Juden aus dem Konzentrationslager Sajmiste vergast. Darunter alle Frauen und Kinder des Kladovo-Transports.
Unter den Opfern: Hedwig Linker, Leon Linker und Eva Linker
Quelle: Walter Manoschek, Die Wehrmacht im Rassenkrieg, Picus Verlag, ISBN 3-85452-295-9, S. 147 – 167.
Deportation nach Maly Trostinec in Weissrussland
Nachdem die erste Phase der Deportationen aus dem »Reich« und dem »Protektorat« nach Minsk im November 1941 ihren Abschluss gefunden hatte, trafen zwischen Mai und Oktober 1942 insgesamt 16 Züge mit mehr als 15.000 Menschen aus Wien, Königsberg, Theresienstadt und Köln in Minsk ein. Entsprechend einer Anordnung des Chefs der Sicherheitspolizei Reinhard Heydrich wurden die Deportationsopfer sofort nach ihrer Ankunft ermordet. Als Exekutionsstätte wurde ein Kiefernwäldchen in einigen Kilometern Entfernung vom Gut Maly Trostinec, einer ehemaligen Kolchose, ausgewählt.
Der Ablauf der Exekutionen folgte einem gleich bleibenden Schema, wobei in der Regel einschließlich der Schutzpolizisten und Waffen-SS-Angehörigen 80 bis 100 Mann zum Einsatz kamen. Nach der Ankunft der Züge auf dem Güterbahnhof in Minsk, die meist zwischen 4.00 und 7.00 Uhr früh erfolgte, sorgte eine Gruppe für die Ausladung der neu eingetroffenen Menschen und ihres Gepäcks. Daraufhin wurden die Ankömmlinge zu einem nahe gelegenen Sammelplatz getrieben, wo eine andere Gruppe damit befasst war, den Juden alle Geld- und Wertsachen abzunehmen. Auf diesem Sammelplatz wurden schließlich auch von Dienststellenangehörigen jene wenigen Personen – pro Transport zwischen 20 und 50 – selektiert, die zum Zwangsarbeitseinsatz auf dem Gut Maly Trostinec geeignet schienen. Von einer am Rande des Sammelplatzes gelegenen Beladestelle wurden die Deportierten schließlich auf Lastkraftwagen zu den etwa 18 km entfernt liegenden Gruben gefahren. Diese Vorgangsweise blieb für die ersten acht Transporte unverändert. Ab August 1942 wurden die Züge über ein Stichgleis bis in die unmittelbare Nähe des Gutes geleitet, wo nunmehr Entladung und Selektion stattfanden
Die Deportierten der ersten Transporte wurden an den Gruben erschossen. Etwa ab Anfang Juni 1942 wurden auch drei »Gaswagen« eingesetzt.
Von den insgesamt etwa 9.000 nach Maly Trostinec deportierten österreichischen Juden sind 17 Überlebende bekannt.
Unter den Opfern: Friedrich Harnisch
Quelle: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes
Deportation nach Kaunas in Litauen
Am 23. November 1941 verließ ein Deportationstransport mit 1.000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern den Wiener Aspangbahnhof. Dieser Transport kam jedoch nie am ursprünglich geplanten Bestimmungsort Riga an. Der Transport aus Wien wurde, wie auch einige für Riga geplante Deportationstransporte aus dem »Altreich«, aus bisher nicht geklärten Gründen in das litauische Kaunas umgeleitet und einem Einsatzkommando übergeben. Diese Einheit der Einsatzgruppe A war unter massiver Beteiligung einheimischer Kräfte seit Juni 1941 daran gegangen, »Litauen judenfrei zu machen«, und hatte dabei insgesamt mehr als 130.000 Menschen ermordet. Sofort nach der Ankunft wurden die deportierten Wiener Juden im Fort IX, einem Teil der alten zaristischen Befestigungsanlagen von Kaunas, die mittlerweile zu Orten regelmäßiger Massaker geworden waren, von litauischen »Hilfswilligen« unter dem Kommando von Angehörigen des Einsatzkommandos erschossen. Von den Wiener Deportierten sind keine Überlebenden bekannt.
Unter den Opfern: Oskar Janowitzer
Quelle: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes
Deportation in das KZ Auschwitz Birkenau in Polen
Im Frühjahr 1940 wurde nahe der polnischen Stadt Oswiecim mit dem Aufbau des KZ Auschwitz begonnen, am Gebiet des benachbarten Ortes Brzezinka (Birkenau) wurde ab Herbst 1941 der zweite Teil des Lagers, Auschwitz II/Auschwitz-Birkenau errichtet, wozu später noch das Lager Monowitz (Auschwitz III) sowie 45 weitere Nebenlager kamen. Erster und letzter Kommandant des Lagers war Rudolf Höß. Die erstmalige Verwendung von Cyanwasserstoffgas zur Menschentötung erfolgte im Herbst 1941 im Block 11, Auschwitz I.
Am 26. März 1942 erreichte der erste vom Reichssicherheitshauptamt (RSHA) im Zuge der »Endlösung der Judenfrage« organisierte jüdische Sammeltransport das KZ Auschwitz. Ab dem Sommer 1942 wurden bei so genannten Selektionen durch SS-Ärzte noch arbeitsfähige Menschen zur Arbeitsleistung ausgewählt, alle übrigen, vor allem alte Menschen und Kinder, wurden sofort in die Gaskammern gebracht.
Im Frühjahr und Sommer 1942 fanden die Morde in zwei – als Bunker 1 und 2 bezeichneten – ehemaligen Bauernhäusern im Lager Birkenau statt, im Laufe des Jahres 1943 wurden in Birkenau vier neue Krematorien mit angeschlossenen Gaskammern errichtet, wo dann nach von der SS selbst errechneten Werten täglich 4.756 Leichen verbrannt werden konnten. Mit dem Näherrücken der Front wollte Himmler die Spuren der Morde verwischen. Nachdem das Krematorium IV im Zuge eines Häftlingsaufstandes am 7. Oktober 1944 gesprengt worden war, wurden die übrigen Krematorien ab November 1944 demontiert. Die Mehrheit der noch vorhandenen Häftlinge wurde in geschlossenen Märschen aus dem Lager Richtung Westen getrieben. Bei der Befreiung am 27. Jänner 1945 fand die Rote Armee noch 7.500 Häftlinge vor. Forschungen der letzten Jahre geben die Mindestzahl der Opfer von Auschwitz mit 1,35 Millionen Juden, rund 20.000 Roma und Sinti, 11.700 sowjetischen Kriegsgefangenen und weiteren 83.000 aus politischen und anderen Gründen nach Auschwitz Deportierten an.
Unter diesen Opfern waren auch Juden aus Österreich. Der am 17. Juli 1942 von Wien abgehende 32. Transport mit ungefähr 1.000 Menschen führte direkt nach Auschwitz. Mehr als 4.100 Österreicher wurden von Theresienstadt, ca. 500 Personen in Einzeltransporten dorthin transportiert. Weiters wurden mehr als 3.700 österreichische Juden aus Frankreich, ca. 350 aus Italien und etwa 260 aus den Niederlanden nach Auschwitz gebracht. Wie viele Österreicher aus anderen Ländern dorthin deportiert wurden, kann nicht genau festgestellt werden, so dass auch keine Gesamtzahl der österreichischen Opfer in Auschwitz angegeben werden kann.
Unter den Opfern: Sigmund Forst, Maria Gornik, Adolf Gross, Emma Gross, Coca Harnisch, Charlotte Klarfeld, Ernst Kopeinig, Julie Pirkner, Walter Porges, Eva Preis, Else Preis, Hermine Preis, Peter Preis, Otto Zeichner.
Quelle: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes