Mit der trinationalen Initiative #warisover und dem Alpen-Adria-Friedensmanifest wollen wir ein Zeichen gegen „die große Regression“ in der europäischen Politik und für eine positive Zukunft unserer Region setzen. Wir ersuchen Sie / Dich, diese Initiative zu unterstützen, das Manifest zu verbreiten und zu diskutieren sowie an der Veranstaltung am 11.11. teilzunehmen bzw. sie auch als Organisation öffentlich zu unterstützen.

S trinacionalno pobudo #warisover in alpsko-jadranskim manifestom za mir se želimo postaviti zoper »veliko regresijo« v evropski politiki in za pozitivno bodočnost naše regije. Prosimo vas, da to pobudo podprete, manifest razširjate in diskutirate in se udeležite prireditve 11.11.2018 oz. jo podprete javno tudi kot organizacija.

Con l’iniziativa trinazionale #warisover e il Manifesto dell’Alpe Adria desideriamo lanciare un messaggio contro la “grande regressione” nella politica europea, per un futuro costruttivo nella nostra regione. Vi invitiamo a sostenere questa iniziativa, diffondendo il manifesto, discutendolo e partecipando al convegno dell’11 novembre, nonché sostenendo l’iniziativa ufficialmente come organizzazione.

Drei-Länder-Event: Programm | Trinacionalno srečanje: spored | Convegno trinazionale: programma

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Nadaljne organizacije ki hočejo podpret manifest se naj javijo preko elektronse adrese zso@slo.at
Organisation welche das Manifest unterstützen melden sich bitte über die Email zso@slo.atv

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15 comments

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  1. ulla Krappinger

    Liebe Organisatorinnen,

    ich möchte mich ganz herzlich für diese wundervolle Veranstaltung und Diskussionsmöglichkeiten bedanken. Wünsche mir sehr, dass wie an diesem Nachmittag angeregt, wir uns zu diesem Thema in den verschiedensten Alpe Adria Regionen zum Austausch und Pflegen des gegenseitigen Respektes und der gegenseitigen kulturellen und Friedenspolitischen Befruchtung treffen mögen. Es gibt da soviel voneinander zu lernen! Und es war überdies ein würdiger historischer Weitblick zu den Feierlichkeiten der Republik als auch in eine mögliche Zukunft des Miteinanders und des Gemeinsamen.
    Und leider habe ich wie Andere auch registriert, dass uns die Jugend fehlte.
    Das Manifest, dessen erste Fassung ich auch gelesen habe, hat durch die Auseinandersetzung und die Mitgestaltung anderer Protagonisten sehr gewonnen!
    Wenn ich dann auch noch die FestRede von Maja Haderlap in der Staatsoper höre, kann ich stolz sein auf mein Land und seine vielfältigen Menschen, die ihre Traumen und ihre Familiengeschichte In Worte und Dichtung kleiden um uns zu trösten und zu Wachsamkeit und
    Mitgefühl aufrufen. Ich glaube dass ich das in meinen 60 Lebensjahren noch nie von Kärnten sagen konnte und wollte. Jetzt kann ich es.
    Vielen vielen Dank, Hvala, Grazie!

  2. Bettina Pirker

    Sehr geehrte Verfasserinnen und Verfasser des Manifestes,

    ich möchte gerne auf den ersten Absatz des Manifestes eingehen, insbesondere da dieser Text scheinbar auch in meinem Namen (als Teil des “Wir Alpen-Adria-BewohnerInnen”) sprechen soll.

    “Wir Alpen-Adria-BewohnerInnen müssen uns mit den „gefährlichen Erinnerungen“
    auseinandersetzen: der Mitverantwortung unserer Nationen am Ersten Weltkrieg, am
    Nationalsozialismus und der Shoa, am Kommunismus und Stalinismus, und an der lange
    ignorierten Ausbeutung der kolonial unterworfenen Regionen, die in die Weltkriege
    hineingezogen wurden. ”

    Offenbar werfen die VerfasserInnen hier die utopische Idee des Kommunismus (eine Idee des Miteinanders, des Widerstands gegen kapitalistische Ausbeutungssysteme und auch gegen den Nationalsozialismus) in einen Topf mit autoritären Systemen oder Diktaturen, die zwar mitunter als “Kommunismus” bezeichnet werden, in keinster Weise jedoch der marxistischen Idee entsprechen. Hier den Kommunismus als eine der “gefährlichen Erinnerungen” zu bezeichnen, halte ich für falsch, sind es doch gerade marxistisch Denkende, die sich dem aktuellem Primat des Kapitalismus und Neoliberalismus entgegenstehen und sich für eine Welt des Friedens und der Gleichheit einsetzen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Bettina Pirker

  3. Josef lausegger

    Sehr geehrter Herr Prof. Werner Wintersteiner,
    obwohl Sie mich ermunterten, zum Manifest durchaus auch “kritisch” Stellung beziehen zu können, will ich mit Positivem beginnen.
    Im slowenischen Manifest wird nämlich “Volksgruppe” mit “narodna skupina” und nicht (mehr), wie von völkisch-nationaler Seite praktiziert, mit “narodna skupnost” übersetzt. Narodna skupnost heißt wörtlich “Volksgemeinschaft”, dieser Begriff ist aber seit der nationalsozialistischen Zeit rassenbiologisch zu interpretieren und daher auch im Slowenischen abzulehnen. Auch der Hinweis, dass es ein Europa sein muss, das “die Vielfalt regionaler Identitäten bewahrt”, lässt auf eine Abkehr von überholten völkisch-nationalen Konzepten schließen. Wenn aber der Mensch und nicht die Gruppe/Masse im Mittelpunkt stehen soll, dann müsste man eigentlich den in Europa üblichen Terminus “nationale Minderheit” verwenden.
    Wir müssen jedenfalls mit gutem Beispiel vorangehen und aus völkisch-kollektiven Denkmodellen völlig aussteigen; das gilt für Minderheiten und Mehrheiten gleichermaßen. Erst dann können wir dies unter dem Vorwand der “Integration” auch von den neuen Minderheiten und den Emigranten erwarten. Ein Ende des ethnischen Nationalismus ist die Voraussetzung für ein friedliches Europa.
    Im Manifest wird der erfolgreiche Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Faschismus als eine immer noch wirkende Kraftquelle bezeichnet. Es wird übersehen, dass der antikommunistische Grundkonsens quantitativ tragfähiger ist als das antifaschistische Gegenmodell (vgl. Helmut Konrad). Insbesondere für die slowenische Kirche ist der Widerstand gegen den Kommunismus eine traditionelle Kraftquelle. Derzeit sollen übrigens 26 katholische Opfer der Tito-Partisanen als Märtyrer selig gesprochen werden. An der Spitze des Verzeichnisses steht der aus Kärnten stammende (slowenische) Ultranationalist, Priester bzw. Theologieprofessor Lambert Ehrlich.
    Nachdem Sie auch dem slowenischen Staatspräsidenten den Ehrenschutz angeboten haben, müssten Sie bedenken, dass in Slowenien der gewalttätige General Rudolf Maister im Rahmen eines Staatsfeiertages verehrt wird. Bei Partisanenfeiern, wie auch am 10.11.2018 in Klagenfurt, werden bedenkliche Kriegslieder gesungen: “Hoch das Gewehr und heldenhaft vorwärts. Auf in den Kampf. Zum Gefecht! Vorwärts von Sieg zu Sieg…” Eine neue Partei hat den programmatischen Namen “Vereinigtes Slowenien” und der Anführer dieser Partei hat eine illegale bewaffnete Kamptruppe angelobt. Aus pazifistischer Sicht ist dies eine Katastrophe.
    Dennoch muss man anerkennen, dass Staatspräsident Borut Pahor um einen Konsens bemüht ist.
    Am 11.11.2018 kann ich leider nicht anwesend sein, freue mich aber auf weitere “Streitgespräche”.
    Ich grüße Sie recht herzlich
    Josef Lausegger

  4. Elio Baracetti

    Carissimi, l’incontro di venerdì scorso (19 ottobre al centro Balducci) è stato utile per avere ulteriori contatti (comitato Danilo Dolci Trieste…) e per sentire suggestioni e proposte.
    Mi chiedevo se potevamo gestire qualche invito in modo da allargare ulteriormente gli interlocutori e muoversi verso ulteriori iniziative nel campo dell’ALPE-ADRIA.
    Questa mail arriva anche a Werner perchè gestirà lui l’incontro l’11 novembre e perchè credo che Werner storicamente sia quello che ha qualche idea di come sviluppare l’iniziativa. Io, come ho detto venerdì sono in questa storia essenzialmente per ciò che è successo negli anni 80 e ormai da tempo mi occupo di ambiente. Per cui sto “accompagnando” l’iniziativa, ma non mi sento dentro la parte storica dell’ALPE ADRIA, non sono uno storico. Mi sento dentro la parte politica ed ambientale. Per dire le vacanze al mare le faccio all’isola di Cherso e alle isole Kornati. Trovando all’isola di Cherso le stesse problematiche delle zone marginali del Friuli Venezia Giulia. E poi uso la ciclovia Alpe Adria e sono stato a fare giri in bici in Austria. In Slovenia meno.
    Oggi (domenica) vado al lago di Cavazzo dove c’è una iniziativa contro l’estensione delle centraline idroelettriche sui fiumi e torrenti della montagna. Iniziativa organizzata dal patto per l’autonomia. Mi ha invitato Marco Iob (CEVI). Ci saranno 2 consiglieri regionali che sono anche sindaci. Pensavo di invitarli. Come inviterei anche il sindaco di Aiello che venerdì aveva organizzato quell’iniziativa sui profughi in Bosnia. Ecco penso che l’ALPE ADRIA per la pace dovrebbe occuparsi dell’aiuto materiale e del sostegno politico ai profughi in Bosnia. e quindi sarebbe bene invitare anche la rete dei diritti e dell’accoglienza (DAISI: Diritti Accoglienza Solidarieta’ Internazionale). Mathieu: invitiamo Antonella Fiore? Werner, è possibile accogliere politicamente queste persone? E da ultimo ho cercato di sollecitare la FIAB (Federazione Italiana Amici Della Bicicletta) per via della ciclovia Alpe Adria.

    Elio Baracetti

  5. Jutta Steininger

    Liebes Team,

    ein Vorschlag meinerseits zu den Formulierungen auf Seite 1:

    Geschrieben steht:
    „Im „großen europäischen Bürgerkrieg“ (Enzo Traverso) folgten auf den Ersten der Zweite Weltkrieg und die Shoa, die wiederum Zerstörung, Vernichtung und riesiges Leid brachten, und in deren Gefolge es abermals zu Grenzverschiebungen, Vertreibungen und Umsiedelungen kam. Die Systemkonkurrenz zwischen Kapitalismus und Kommunismus im Kalten Krieg und der Eiserne Vorhang haben unseren Kontinent jahrzehntelang weiter gespalten. Heute, nach dem Zusammenbruch des „Realsozialismus“, besteht die große Chance auf eine demokratische Vereinigung von ganz Europa. Doch zugleich gibt es starke Gegenkräfte, auch innerhalb der Union.“

    – Sorry, ich kann dem Terminus „Bürgerkrieg“ trotz Traverso in diesem Kontext keine Relevanz zubilligen, mir ist kein ziviles und schon gar kein militärisches europäisches Bewusstsein in der Zwischenkriegszeit – außer vereinzelt – untergekommen, eher der Interessen geleitete Wunsch nach nationalstaatlicher Balance, s. Churchill.

    Ich würde so schreiben:

    Die Niederlagen des Ersten Weltkriegs garantierten den Zweiten und national-faschistisch wütender Rassismus kulminierte in Ausgrenzungen und schließlich der Shoa, der bösartigsten ultimativen Lösung eines Problems mit Anderen. Aus- und Umsiedlungen, Grenzverschiebungen, Vertreibungen nach der Katastrophe verankerten sich im Gedächtnis. Die Feindschaft der politischen Systeme verlängerte sich in den Kalten Krieg, am Eisernen Vorhang spalteten sich die Wirtschaftssysteme und das Menschenbild. Vom Zusammenbruch des „Realsozialismus“ erhofft man sich die Demokratisierung Europas, deren Chancen aber jenseits der nach Osten geöffneten Grenzen nicht so wahrgenommen werden, wie wir uns das für die Union wünschen.

    Mit herzlichen Grüßen,
    Jutta Steininger

  6. Cristina Beretta

    Lieber Werner,

    im Vorfeld hatte ich bereits die Gelegenheit, Kommentare zum ersten Entwurf des Manifests zu deponieren. Es freut mich sehr, dass diese berücksichtigt wurden.

    Weitere Kommentare aus jetziger Sicht:
    – Ad: „Im Gegensatz zu seinen eigenen Prinzipien baut Europa immer höhere reale, legistische und mentale Mauern gegen die Migration aus dem Süden, die doch hauptsächlich die Folge unserer eigenen Lebensweise ist, welche die Lebensbedingungen auf anderen Kontinenten bedroht. Denn die AsylantInnen „flüchten zu uns vor den Folgen unserer Politik“ (Michael Richter).“ Die EU-Kritik finde ich legitim und wichtig, ja notwendig; ich würde aber über Formulierungen wie „die Migration aus dem Süden, die doch hauptsächlich die Folge unserer eigenen Lebensweise ist, welche die Lebensbedingungen auf anderen Kontinenten bedroht“ noch eingehender nachdenken:
    o Eine solche drastische Behauptung erscheint mir vereinfacht und übertrieben zugleich. Ich bin mir nicht sicher, dass die Migration aus dem globalen Süden „hauptsächlich die Folge unserer eigenen Lebensweise ist“; ich würde eher meinen, dass sie dann eher „mitunter auch ein Effekt unserer eigenen Lebensweise“, vor allem aber auch der kolonialen und postkolonialen europäischen Vergangenheit ist.
    o Die „Lebensbedingungen auf anderen Kontinenten“ werden zum einen auch durch andere Weltmächte (USA, China, Russland et al.) und wirtschaftliche/finanzielle Akteure (IMF u.a.) bedroht, zum anderen aber auch durch lokale/interne politische Verhältnisse bzw. skrupellose Politiken/Politiker bedroht, die sich auf Nationalisten und Patrioten aufspielen und ihr Land systematisch mit ausbeuten. In diesem Sinne halte ich M. Richters Spruch Denn die AsylantInnen „flüchten zu uns vor den Folgen unserer Politik“ für reduktionistisch und einseitig.
    Zu behaupten, schließlich, dass alles hauptsächlich eine Folge europäischer Gegenwart und Vergangenheit ist, halte ich auch deswegen für problematisch, da eine solche Behauptung – zugespitzt formuliert – einer Entmündigung oder zumindest einer Infragestellung der Möglichkeit zu Empowerment der AkteurInnen vor Ort, also auf den „anderen Kontinenten“, gleichkommt. Ob es sich hierbei um die zahlreichen lokalen Initiativen, NGOs, politische Akteure, Regierungsmitglieder, PräsidentInnen et al. handelt, so haben auch diese Handlungspielraum und Verantwortung.
    – Ad „Marshallplan für Afrika“ – Ja, die EU kann wahrscheinlich mehr. Bei allen zulässigen Kritiken an Jean-Claude Juncker & der EU scheint mir seine Diagnose in der Rede zur State of the Union 2018: „Africa does not need charity, it needs true and fair partnerships. And Europe needs this partnership just as much“ für adäquat, sofern dahinter nicht neoliberale, ausbeuterische sondern sozial verantwortliche/vertretbare und nachhaltige Konzepte stehen.
    – Achtung (Tipp)fehler im letzten Absatz: „Auch das ist ein Syndrom ( ich würde sagen, eher „Symptom“) des herrschenden… Einheitsdenken“ ( Einheitsdenkens).

    To je to, za sada, vielleicht melde ich mich noch.
    Grazie in lep pozdrav,
    Cristina Beretta

  7. Mira Miladinović Zalaznik

    Lieber Werner,

    ich habe Deinen schönen Text auf Deutsch gelesen. Wie Du sagst, wenn man etwas tut und mutig ist, kann man auch etwas erreichen oder gar verändern. Das wünsche ich diesem Projekt vom Herzen, dass es verändern kann.

    Ich habe mir erlaubt, einige Tippfehler zu korrigieren und einige Vorschläge zu machen, vor allem Angela Vode. Das ist eine großartige Frau gewesen.

    Details:

    – Bitte bei Islamismus und Rechtsradikalismus auch Linksradikalismus hinzufügen
    – S. 4: baut Europa immer höhere reale, legistische und mentale Mauern gegen die Migration aus dem Süden: und dem Osten hinzufügen
    – Bei den Vorbildern: hier würde ich Angela Vode hinzufügen, die KZ in Deutschland und in Slowenien überlebt, Kommunistin bis zu ihrem Freitod durch Weigerung zu essen. Sie war Defektologin und eine der ersten Lehrerinnen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen, Feministin, Übersetzerin (Die Welt von Gestern von Zweig)…

    Alles Gute, auch beim/zum Projekt, herzlich

    Mira

  8. Lieber Werner,

    Vielen Dank für den Text – die Idee den Text weiterzuentwickeln finde ich sehr gut.
    Ich habe mir nun ein paar Gedanken zu deinem Text und zur geplanten Veranstaltung gemacht.

    Für mich ist die Begrifflichkeit des Manifestes zu tragend.
    Manifest ist für mich mehr – breiter getragen und entwickelt in einem langfristigen gemeinsamen Prozess – siehe zum Beispiel „Konvivialistisches Manifest“

    Was für mich fehlt sind die positiven friedensfördernden Perspektiven im Alpen-Adria-Raum wie auch Entwicklungen, die gelungen sind sowie auch konkrete Perspektiven für die Zukunft – hier sind ja konkrete Beispiele vorhanden (Entwicklung von Friedenswegen, Alpen-Adria-Klassen, Schule…, AA-Schulbücher, AA-Geschichtsbücher)
    Die ARGE Alpen-Adria ist aufgelöst – wir haben vielfach ihre jahrzehntelangen unpolitischen Aktivitäten kritisiert.

    Für mich hat sich in der Ausrichtung der Alpen-Adria Friedenskonferenz und der Beschäftigung mit diesem Raum (Jugoslawienkonferenz) folgender Eindruck ergeben: Aufgrund der EU-Osterweiterung haben sich viele der großen Probleme in dieser Region im Laufe der Jahre abgeschwächt – die Konsensgruppe war unter anderem hier verdienstvoll in der Minderheitenfrage, die integrativen Maßnahmen seitens der EU scheinen mir hier auf jeden Fall auschlaggebend, dass die Konflikte heute in dem Raum nicht mehr so groß sind.
    Italien, Friaul-Julisch-Venetien haben an der Alpen-Adria-Idee – Fokussierung auf dieses Thema –
    heute wenig Interesse.

    Mir scheint es jedoch sehr wesentlich über die Alpen-Adria-Region hinaus sich sehr stark mit der südosteuropäischen Region zu beschäftigen – in dieser erweiterten Ausrichtung glaube ich liegen die großen Herausforderungen (politisch, wie in Fragen der Friedensbildung). Diese Herausforderungen sind für ein zukünftiges Friedensprojekt Europa immens relevant (Entwicklungen Bosnien-Herzegowina, Kosovofrage..), Weiterentwicklung einer europäischen Integration.

    Grundsätzlich glaube ich muss der Begriff „Friedensprojekt Europa“ problematisiert werden – gerade weil sich Europa und seine Nationalstaaten in den letzten Jahrzehnten vor allem neoliberal entwickelt hat, nationale Interessen vor europaweiten standen (siehe Griechenlandkrise), Solidarität nur als Schlagwort existierte, kaum gemeinsame Vergangenheitsaufarbeitung stattgefunden hat und soziale Gerechtigkeit nur in den Reden der PoltikerInnen vorkam, steht es vor den aktuellen Schwierigkeiten.

    Ein Zitat habe ich unlängst gelesen „Europa muss sich neu begründen“ – das finde ich sehr zutreffend. Wir brauchen ein globales und europäisches Demokratiemodell mit der Fokussierung auf den sozialen Frieden, Einbindung der BürgerInnen…hin zu einer Global Citizenship (Postkoloniale Kritik, Kritik am Neoliberalismus…) – und hier scheint mir die Anschlussfrage sehr relevant – was bedeutet dieser Alpen-Adria-Raum im globalen Kontext?

    Eine weitere Frage stellt sich für mich – wer ist die Zielgruppe, an die sich diese Ausführungen richten?
    Eine wesentliche Zielgruppe sind wohl die jungen Menschen – ist dieser Zugang für die heutigen Jugendlichen, die diese historischer Erfahrungen nicht haben, anschlussfähig – ich zweifle daran. Jugendliche von heute sind zu einem Teil sehr eng auf ihre Umgebung oder zu einem andern Teil sehr international ausgerichtet – kann diese Fokussierung interessieren? Was haben die zunehmenden diversen Gesellschaften, die Zuwanderungen mit dieser Alpen-Adria-Idee zu tun?

    (Sowie weitere Anmerkungen zu einzelnen Details des Textes, direkt an den Autor)

    • Bettina Gruber

      Liebe KollegInnen, da bei meinem Mail der letzte Teil hier weggelassen wurde – hier nochmals der letzte Absatz
      L.G.
      Bettina Gruber

      Veranstaltung und nachfolgende Maßnahmen, Initiativen
      Wie schon persönlich mit Werner Wintersteiner besprochen scheint es mir sehr wesentlich, um längerfristig Projekte erfolgreich und nachhaltig umzusetzen, die relevanten Personen und Initiativen, die sich mit dem Thema in den letzten Jahrzehnten vor Ort auseinandergesetzt haben, einzubinden – auch die Kritik von Peter Gstettner (hier, so glaube ich, sind viele seiner Kritikpunkte sehr relevant), das Know How von Tina Bahovec, Klaus Amann, Valentin Sima, Daniel Wutti, um nur einige vor Ort zu nennen.

  9. Hans Haider

    Marjan Sturm schreibt:
    Ad Seite 1: „Erinnerungskonflikte“: Diese scheinen mir im zu beobachtenden Raum vernachlässigbar.
    Dieser Ansicht bin ich nicht. Es gibt viele Konflikte, die nur deshalb nicht existieren, weil man darüber nicht spricht.
    Ein Beispiel dafür ist Kärnten und die Oberkrain/Gorenjka. Dabei handelt es sich um einen blinden Fleck in der Kärntner Erinnerungskultur. Wenn Kärnten mit seiner Geschichte ins Reine kommen will, muss es die vielfältigen Verbrechen, die während der NS-Zeit im Namen der Kärntner Gauleiter Franz Kutschera und Friedrich Rainer in der Oberkrain/Gorenjska verübt wurden, zum Thema machen. Das ist bisher nicht in der Nachhaltigkeit geschehen, wie es notwendig wäre. Die Oberkrain/Gorenjska war vom April 1941 bis Mai 1945 de facto ein Teil von Kärnten. Das bedeutet: Wenn wir über die NS-Zeit in Kärnten reden, dann dürfen wir über die Oberkrain/Gorenjska nicht schweigen.
    Nach dem Überfall auf Jugoslawien durch die Achsenmächte im April 1941 wurde das gesamte Siedlungsgebiet der Slowenen unter den Siegern Deutschland, Italien und Ungarn aufgeteilt. Die Oberkrain/Gorenjska wurde an Kärnten angegliedert und fortan Südkärnten genannt. Zum Chef der Zivilverwaltung wurde SS-Brigadeführer Franz Kutschera ernannt, der im November 1941 vom Kärntner Gauleiter Friedrich Rainer abgelöst wurde. Vom Führer mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet lautete ihr Auftrag dieses Land wieder Deutsch zu machen. Nun wurde von Kärnten aus ein brutales und äußerst rücksichtsloses Germanisierungsprogramm in Gang gesetzt. Die dazu notwendigen Maßnahmen waren gut durchdacht und wurden konsequent umgesetzt. Die erste Säuberungswelle galt slowenischen Führungskräften. Lehrer, Priester und Intellektuelle wurden verhaftet und schon im Juli 1941 nach Serbien deportiert. Weitere Massentransporte fanden im Frühjahr 1942 statt. In den Kirchen durfte nur noch deutsch gesprochen werden. Rasch wurde die Germanisierung im Schulwesen vorangetrieben. Für die Schulen wurden hunderte Lehrer aus dem „Altgau“ Kärnten herangezogen und schon im Herbst 1941, sechs Monate nach dem Überfall, unterrichtete man ausschließlich in deutscher Sprache. Sämtliche slowenische Vereine wurden aufgelöst und ihr Vermögen beschlagnahmt. Slowenische Bibliotheken und Archive wurden geplündert oder überhaupt zerstört.
    Um den sofort einsetzenden Widerstand die materielle Basis zu entziehen, wurden ganze Dörfer dem Erdboden gleichgemacht. In den Monaten Juli und August 1942 wurden von der deutschen Besatzungsmacht elf Ortschaften in der Oberkrain/Gorenjska, wegen Verdachtes der Partisanenunterstützung, niedergebrannt, die männliche Bevölkerung erschossen, die Frauen und die Kinder deportiert. Das geschah in: Gradisče, Koreno, Hrastnik, Kokra, Sovodenj, Zlato polje, Brezovica, Obrse, Mala Lasna, Podgora und Trnovče..
    In Begunje befand sich von 1941 bis 1945 ein Gestapo-Gefängnis. Es wurde nach dem Krieg zur Gedächtnisstätte umgestaltet.
    Ihren besonderen Sinn für Proportionen stellten die Nazis bei den Geiselerschießungen unter Beweis. Für jeden Deutschen, der bei Partisanenüberfällen umkam, mussten zehn Geiseln ihr Leben lassen, während für jeden slowenischen getöteten Kollaborateur fünf Geiseln exekutiert wurden. Meist fiel die Wahl auf die Bewohner der betreffenden Bandengebiete. Ihre Hinrichtung fand entweder vor Ort oder auf dem Richtplatz in Begunje oder im Dragatal nahe bei Begunje statt. Aus der peniblen Buchführung der Nationalsozialisten geht hervor, dass in der Oberkrain/Gorenjska während der Okkupation mindestens 1.270 Geiseln erschossen wurden. Weitere 5.100 Häftlinge landeten in deutschen Konzentrationslagern. Die wenigsten kehrten nach dem Krieg zurück.
    Obwohl uns mit der Oberkrain/Gorenjska eine jahrhundertelange gemeinsame Geschichte verbindet und die Oberkrain/Gorenjska vier Jahre lang an Kärnten angegliedert war, gab es über diese Geschehnisse nach 1945 keinen öffentlichen Diskurs in Kärnten. Seit Jahrzehnten ist das Thema der Kärntner Beteiligung an den Verbrechen in der Oberkrain/Gorenjska mit einem Schweigetabu belegt und es gab und gibt darüber keinen öffentlichen Diskurs. Auch im Geschichtsunterricht in den österreichischen Schulen gehört dieses Kapitel nicht zum Unterrichts-Stoff. Es wird konsequent verschwiegen.
    Vereinzelt gibt es zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich dieses Themas annehmen. So hat der Verein Erinnern-Villach gemeinsam mit der Villacher Kulturinitiative kärnöl 2006 über 300 Dokumente betreffend die Germanisierungspolitik in der Untersteiermark und in der Oberkrain/Gorenjska unter der Webadresse http://www.karawankengrenze.at online gestellt, Dokumente, die der Historiker Tone Ferenc von der Universität Ljubljana schon 1980 in einem Buch veröffentlichte. Die Reaktionen darauf waren eher spärlich. Neben dem historischen Institut der Universität Salzburg haben sich noch drei Studenten aus Deutschland, mit dem Hinweis, dass sie sich nun die Fernausleihe für Seminar- und Proseminararbeiten ersparen, bedankt. Eine grenzüberschreitende Beschäftigung mit diesem Thema hätte positive Folgen für unser zukünftiges Zusammenleben. Für einen gelingenden Integrationsprozess in einem zusammenwachsenden Europa wäre diese mentale Gemeinschaftsstiftung sehr wünschenswert. Denn nach wie vor kommt dem Zweiten Weltkrieg und dem damit verbundenen massenmörderischen Charakter des Nationalsozialismus eine herausragende Bedeutung zu, wenn es darum geht die eigene Identität und unseren Wertekonsens zu bestimmen. Eine gemeinsame Region braucht auch eine gemeinsame Erinnerung.

  10. marjan Sturm

    nterview mit Salvoj Žižek in einer slowenischen Zeitung

    Welche Folgen wird der Zuzug von Flüchtlingen für Europa haben?
    Die unmittelbare Hilfe den Menschen in Not ist moralisch absolut notwendig. Der unkoordinierte Zuzug aber bedroht das Wesen Europas – und zwar nicht nur deswegen, weil die Menschen aus anderen Kulturkreisen kommen, sondern weil uns Europäern das droht, dass wir das aufgeben werden, was Europa als Bestes und Wertvollste hat.
    Und das wäre?
    Der Universalismus, die Menschenrechte, die Solidarität, die Aufklärung. Das macht das Wesen Europas aus. Diese Werte sind jetzt von zwei Seiten bedroht. Sie werden bedroht von den rechtspopulistischen Gegnern der Zuwanderung, die die Heimat am liebsten mit Barrieren zusperren möchten und die wegen der Unsicherheit vieler Menschen einen neuen Aufschwung erhalten. Gleichzeitig aber bedrohen Europa auch die sentimentalen Linken, die heuchlerisch für offene Grenzen eintreten.
    Was meinen sie damit?
    Diese linken Liberale wissen gut, dass ihre Forderungen nicht realisierbar sind und dass alle Grenzen nie offensein werden, deswegen fordern sie diese Öffnung umso selbstbewusster. Masochistisch genießen sie in ihrer Impotenz – und fühlen sich gleichzeitig moralisch überlegen. Noch dazu fühlen sich die antieuropazentrischen Linken nicht berechtigt, von den kommenden Muslimanen zu fordern, dass sie die europäischen Werte übernehmen. Aber das müssen wir.
    Menschenrechte und Solidarität – ihre Vorstellung von Europa ist sehr schmeichelhaft. Aber basiert der europäische Wohlstand nicht auf der Ausbeutung ärmerer Länder?
    Wir sine mitverantwortlich für die neuen Formen der Versklavung, die so viele Menschen in die Flucht treibt. Denken sie nur an die Fabriken, wo unserer Kleider genäht werden. Jedoch auf das dürfen wir nicht sentimental schauen. Nur die Empathie für die ausgebeuteten wird uns nicht helfen. Der Kapitalismus ist in seinem Wesen global, das ist nicht eine ausschließlich europäische Eigenschaft. Wir Europäer können stolz sein auf die Menschenrechte und den Universalismus, obwohl ihr historischer Hintergrund die Industrialisierung und der Kapitalismus sind; davon gehen sie hervor. Auf diese Werte müssen wir uns berufen, wenn Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen. Schlussendlich kommen sie auch deswegen, weil sie diese Werte für sich und ihre Kinder haben möchten.
    Diese Werte soll nun eine neue Leitkultur verteidigen?
    So ist es. Wegen des immer verbreiteten Rechtspopulismus ist die blinden Toleranz einiger Linker eine verfehlte Strategie. Nichttolerante Menschen, wie die muslimischen Fundamentalisten, können wir doch nicht tolerant empfangen. Es ist einfach zu sagen , so ist halt ihre Kultur und als solche müssen wir sie akzeptieren. Was werden wir tun, wenn die Eltern ihre Tochter zwingen werden eine Burka zu tragen, obwohl sie es nicht will. Ich sage es so: wenn das in Europa stattfindet, müssen wir uns für die Freiheit des Mädchens einsetzen und unsere Regeln durchsetzen. Die Moslems können nicht zu uns kommen und nur das übernehmen, was ihnen in Europa gefällt.

  11. marjan Sturm

    Kant’s Gedanken zu jenen, die vor Krieg und Bedrohung fliehen.

    Der dritte Definitivartikel seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ handelt von dem Recht der Hospitaliät, das heißt der Gastfreundschaft. Hierbei habe ein Fremder ein Besuchsrecht für ein anderes Land und könne sich dort aufhalten, ohne dass man ihm feindselig gesinnt sein dürfe, solange er sich selbst rechtmäßig verhalte. Ein Mensch, der fremdes Staatsgebiet betrete, dürfe auch nicht ausgewiesen werden, sofern dies zu seinem Leid geschehe, es sei denn, er habe sich feindselig gegen den fremden Staat verhalten. Der Fremde habe allerdings kein Gastrecht, auf das er Anspruch erheben könne, sondern nur ein Besuchsrecht.

    Wären das nicht eine klare ethische Basis für den Umgang mit den Migranten-Problem?

  12. marjan Sturm

    Lieber Marjan!

    Vorweg finde ich es eine hervorragende Idee, anlässlich von „100 Jahre Kriegsende“, auf das vergangene Saeculum aufbauend, einen Blick in die Zukunft unserer Region zu werfen und diese „realistische Vision“ in einem Manifest zu verdichten. Dem vorliegenden Entwurf kommt also zweifelsfrei das Verdienst zu, Pionierarbeit geleistet zu haben.

    Es liegt in der Natur eines Konzepts, dass vieles nicht stringent ist und manches geklärt werden muss, um letztlich in einer knappen Manifestform das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken. Der von dir mitgesandte Text von Werner Wintersteiner „Die realistische Utopie offener Grenzen“ ist ein ausgezeichnetes Beispiel für eine durchdachte und stringente Arbeit, auch wenn man vieles inhaltlich nicht mit dem Autor zu teilen vermag. Der Manifestentwurf will zu viel auf einmal und überfrachtet sich nach meiner bescheidenen Meinung damit selbst. Von grundsätzlicher Sozial-und Kapitalismuskritik über den Kolonialismus bis hin zu globalen Problemen („Klimawandel“) und zu soziopathologischen Phänomenen („häusliche Gewalt“) spannt sich ein viel zu weiter Bogen. Kraut und Rüben vertragen sich nicht einmal im richtigen Kärntner Ritschert. Die Sprache erinnert vielfach an Agitprop-Sprech und vieles ist nicht nachvollziehbar und unrichtig.

    Aus Zeitmangel vermag ich nur kursorisch darzustellen, wie ich mir I) Inhaltsteile eines solchen Manifests vorstelle und II) wo ich beispielsweise einfach Korrekturen anbringen möchte.

    Ad I 1.) würde ich die spezifische historische Situation des Alpen-Adria-Raums vielleicht kurz resümierend analysieren und daraus Visionen für die Zukunft entwickeln. Beispielhaft sei hier nur genannt:

    A: Verpflichtendes Erlernen der Nachbarsprachen Deutsch, Slowenisch und Italienisch. Das heißt, die Kugy-Klasse des Klagenfurter Slowenischen Gymnasiums als methodisch-didaktischer Normalfall zumindest in Teilen Kärntens, Friauls und Sloweniens.

    B: Ausschließlich alle topographischen Namen in diesem Raum sind zumindest zweisprachig, vielfach auch dreisprachig und in Friaul auch viersprachig (Deutsch/Slowenisch/Italienisch/Furlan). Bewusste Pflege dieses Erbes durch Sichtbarmachung im gesamten zu definierenden Raum.

    C: Der von der momentanen Wiener Regierung in die Diskussion geworfenen Frage der Doppelstaatsbürgerschaft kann ich – wenn man einen Schritt weiter denkt als die rechten Befürworter und zwei Schritte weiter denkt als die linken Verhinderer – sehr viel abgewinnen. LH Arno Kompatscher sprach sich klar für die Doppelstaatsbürgerschaft aller Südtiroler, egal welcher der drei Sprachgruppen sie angehören, aus und der ehemalige EU-Abgeordnete Reinhold Messner geht noch einen Schritt weiter, indem er auch für die überwiegend Italienisch und im geringen Ausmaß Ladinisch sprechenden Welsch-Tiroler die österreichische Staatsbürgerschaft einfordert. Abgesehen davon, dass wir in Istrien, aber auch rund um Ungarn schon Beispiele für Doppelstaatsbürgerschaften haben, wäre eine wechselseitige Doppelstaatsbürgerschaft eine friedensstiftende Mission erster Ordnung. Serbisch-österreichisch-italienische Doppel- und Dreifachstaatsbürger hätten vor 100 Jahren am Isonzo mit Sicherheit nicht die Nestroy’sche Frage gestellt: „Ich bin neugierig, wer stärker ist: Ich oder ich?“

    D: Unser Gebiet ist auch dadurch charakterisiert, dass sehr kleinräumig nicht nur verschiedene Sprachen, sondern auch verschiedene Varianten dieser Sprachen (Dialekte) gesprochen werden. Ein Gailtaler Slowenisch-Dialekt-Sprecher versteht seinen Jauntaler Kollegen kaum und beide nicht ihre Freunde im Obermurgebiet. Alle drei scheitern aber erfolgreich im Resiatal. Ähnliche Beispiele ließen sich auch für die oberdeutsch-bairischen Mundarten sowie die verschiedenen Varianten des Furlan und des Italienischen finden. Vom Istro-Rumänischen und den im Mittelhochdeutschen steckengebliebenen Deutschsprechern in Plodn/Sappada, Zahre/Sauris und Timau/Tischelwang/Tamau ganz zu schweigen.

    Wenn wir vielen Zukunftsforschern glauben wollen, wird uns durch die dritte und wohl kommende vierte und fünfte industrielle Revolution die Arbeit ausgehen. Warum sollen wir nicht Menschen bezahlen, die sich verpflichten, das Istro-Rumänische, das Resia-Slowenische oder das Gurktalerische zu erhalten?

    E:Verstärkte gemeinsame Nutzung sowie gezielter gemeinsamer Ausbau der Infrastruktur. So wie Ljubljana heute bereits erste Adresse für alle Verbrennungsopfer Mitteleuropas ist, könnte man die vorhandenen Ressourcen kostenschonend besser aufteilen und nutzen. Aber wir bringen es nicht einmal zusammen, die auf einer Strecke von 100 km aufgefädelt liegenden Krankenhäuser Judenburg, Friesach, St.Veit/Glan und Klagenfurt sinnvoll zu koordinieren oder einen Standort zu schließen. Von der Stolzalpe und anderen Nebenschauplätzen rede ich gar nicht.

    Ad I 2.) Als zweiten Betrachtungsring würde ich die europäische Motiv- und Gemengelage heranziehen. Ich halte es halt einmal für evident, dass Europa auf den drei berühmten Hügeln (Akropolis/Philosophie, Palatin/Recht und Golgatha/Transzendenz) gebaut ist. Aus dieser Gemengelage entwickelte sich letztlich sowohl unsere Form der parlamentarisch-präsentativen Demokratie als auch unsere Sicht von der universellen Geltung der Menschenrechte. Diese in der Französischen Revolution gehärteten „europäischen Werte“ müssten jedenfalls ins Manisfest einfließen.

    Ad I 3.) Der dritte Ring des Manisfestinhalts müsste wohl die globale Dimension sein. Hier hat der Klimawandel ebenso seinen Platz wie beispielsweise Fragen der Emigration. Europa wird jedenfalls gemeinsam einen Modus finden müssen, um dieser globalen Verantwortung gerecht zu werden. Die kollektive Aufnahme der Bevölkerung aller anderen Kontinente, egal wie hoch der Pegel bedauerlicherweise in Bangladesch steigt, ist es jedenfalls nicht. Die Ansätze von Slavoj Žižek scheinen mir ebenso brauchbar wie jene von Immanuel Kant.

    Ad II) Überschrift
    Nachdem es laut unserem Landesmilitärkommandanten weltweit 223 mehr oder weniger bewaffnete Konflikte (Stand 1.12.2017) auf der Welt gibt, scheint mir diese Überschrift schlicht unpassend. Sie konterkariert nebenbei bemerkt die Tatsache, dass wir hier auf engstem Raum vier eigenständige Sprachen und viele Dialekte sprechen. Ich weiß schon, dass es in unserer Jugend en vogue war, englische Zitate zu nehmen – noch dazu wenn sie von John Lennon stammen – aber wir sollten uns schon im Klaren sein, dass wir unter der Prämisse, dass wir die Iren mit ihrem Gälisch-Anspruch und die Malteser mit ihrem Maltekisch-Anspruch ernst nehmen, das Englisch nunmehr eine Sprache ist, die in keinem der 28 Staaten der Europäischen Union Amtssprache ist. Ich bin weit davon entfernt zu verkennen, wie wichtig Englisch als Lingua franca ist, trotzdem scheint es mir im vorliegenden Kontext unangebracht, es mehr oder weniger unmotiviert zu verwenden. Alle Alt-68er mögen mir verzeihen.

    Ad Seite 1, 2.u.3. Absatz) Die einleitenden Erläuterungen spiegeln die persönliche Meinung des Verfassers wieder und sind von mir nicht zu kommentieren.

    Ad Seite 1: „Vertreibungen und Umsiedelungen“

    Wenn ich die doch seriöse Quelle „Die Zeit.de“ nehme und dort lese, dass zwischen 1944 und 1947 zwischen 400.000 und zwei Millionen Flüchtlinge ums Leben gekommen sind und allein aus sowjetischen Lagern nur zwei von 3,3 Millionen deutschen Kriegsgefangenen lebend nach Hause kamen, so scheinen mir diese beiden unkommentierten Substantiva arg relativierend zu sein. Damit kein Verdacht aufkommt: dass von 5,7 Millionen Rotarmisten nur 3,3 Millionen die deutsche Kriegsgefangenschaft überlebten, gehört ebenfalls in diese Kategorie.

    Ad Seite 1: „Erinnerungskonflikte“

    Diese scheinen mir im zu beobachtenden Raum vernachlässigbar.

    Ad Seite 2: „Österreich-Ungarn und Italien“

    Nachdem damals Triest, Görz und Trient ebenso kakanische Städte wie Laibach und Agram waren, fehlt hier zumindest Slowenien. Italien kann keinesfalls „Auslöser des Krieges“ gewesen sein, da es sich zu Kriegsbeginn für neutral erklärte und erst 1915 in den Krieg eintrat.

    Ad Seite 2: „Kolonialismus“

    Trotz Abessinienkrieges und Feldzuges in der Kyrenaika hat der Kolonialismus in unserem Raum nicht wirklich eine Rolle gespielt, geschweige denn, dass er „uns bis heute Brandherde und Konfliktstoffe im Nahen Osten“ bescherte. Hier tragen wohl eher die Briten und Franzosen die Verantwortung. Stichwort: Balfour-Deklaration.

    Ad Seite 2: „Wir sind Kinder des 20. Jahrhunderts“

    Ob es uns freut oder nicht, aber mittlerweile gibt es schon zahlreiche KärntnerInnen, die volljährig sind, obwohl sie schon Kinder des 21. Jahrhunderts sind!

    Ad Seite 2: „Antislawismus“

    Dieser ist wohl auch schon eher zu einem historischen Phänomen geworden und man sollte wohl besser beispielsweise über den Anti-Afrikanismus und eine xenophobe Grundstimmung lamentieren.

    Ad Seite 3: „Der neue Nationalismus nützt die damit einhergehenden narzisstischen Verletzungen einer gekränkten Männlichkeit und mobilisiert überkommene Kriegerideale, wie sie nicht nur im Ersten Weltkrieg vorherrschten, und die sich in aggressiver Rivalität, häuslicher Gewalt und politischem Fanatismus bis hin zu Terrorismus, radikalem Islamismus und Rechtsradikalismus bemerkbar machen.“

    Wenn ich bösartig wäre, was ich, wie du weißt, nicht bin, würde ich hier als Kommentar sagen, dass ein Gutmensch sein ganzes Credo in diese Zeilen legte. Ich will mich nur darauf beschränken heftig zu widersprechen, dass „Ideale des Ersten Weltkrieges„ (als einziges Beispiel sei der Ehrbegriff genannt, der bei Männern zum Duell und bei Frauen zum Suizid führte) heute überhaupt noch eine Rolle spielen und was das Ganze mit dem hier zitierten „radikalem Islamismus“ zu tun hat, bleibt vermutlich auch dem Verfasser schleierhaft. Aber wie gesagt, da ich nicht bösartig bin, habe ich es mir nur gedacht.

    Ad Seite 3: „Europa als Friedensprojekt kann aber nur in dem Maße erfolgreich sein, als es sich nicht auf die Ideologie des Nationalstaates und des entfesselten Kapitalismus gründet, sondern als deren Überwindung begreift.“

    Mit Verlaub, die EU versteht sich als Summe von Nationalstaaten und kapitalistischer Wirtschaftsordnung.

    Ad Seite 4: „…dann diese, die Grundsätze der Menschenrechte, der Demokratie und der Gewaltfreiheit, die auf seinem Boden entstanden sind, wenngleich von Menschen auf dem gesamten Erdball entworfen…“

    Hier ist man versucht, dem Autor die von 45 Außenministern am 5.8.1990 unterschriebene Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam, nach der die Todesstrafe für Apostasie durchaus erklärbar ist, entgegenzuschleudern!

    Ad Seite 5: Die Aufzählung vorbildhafter Frauen und Männer ist natürlich Geschmacksache, aber nach meinem Dafürhalten müsste der in Pievi Tesino/Tesin geborene Welschtiroler Alcide De Gasperi aufgrund seiner überragenden Verdienste für die Einigung Europas jedenfalls dazuzählen. Auch der in der Untersteiermark in Polzela/Heilenstein geborene Begründer der Ethnopsychoanalyse und Klagenfurter Ehrendoktor Paul Parin wäre würdig genug hier genannt zu werden. Zumindest würde ich den je drei genannten Slowenen und Italienern auch drei Kärntner dazuzählen. Auf die Schnelle fielen mir Oswald Gutsmann, Matija Achazel und Peter Handke ein.

    Dragi prijatelj, alles ist unvollkommen, so auch diese exkursorische Sicht auf dein Manifest.

    Sei herzlich gegrüßt

    Rudi

    Klagenfurt, 14.8.2018